Leseprobe

Die Podeste der kleinen, rechteckigen Bühne knarzten, als ich sie betrat. Von den Planken blätterte der schwarze Schutzanstrich, und das blonde Holz darunter glänzte speckig. Am anderen Ende der Bühne kniete ein Kellner vor einer Kompakttonanlage und fummelte an den Reglern herum. Das weiße Hemd klebte auf seinem Rücken.

In der Mitte der Plattform stand ein altes Mikrofon. Darauf hielt ich zu. Das Drahtgeflecht des Mikro erschien mir wie ein Stück Kettenhemd, hinter dem der Atem meiner Vorgänger eingesperrt war.
Ich warf einen Blick auf mein Publikum. Niemand in der unruhigen See der Menge nahm von den Vorgängen hier oben Notiz. In der Nähe des von Kellnern umwirbelten Ausschanks, saßen Ronnie und Bili an einem kleinen Kaffeehaustisch.

Der Tontechniker-Kellner wandte sich um und deutete auf das Mikro und ich sagte : Eins, zwei, eins, zwei,Test!  Meine Stimme brach auf wie eine dunkle Nuss von einem anderen Stern und wie auf Stichwort sprangen zwei kleine Mädchen aus den ersten Bankreihen hervor, hüpften heran und legten ihre Arme auf die Bühnenkante.
Pralle Wolken trieben über uns hinweg. Eine zarte Berührung, und sie würden sich entleeren.
Die Riemen des Akkordeons brannten auf den Schultern wie alte Verletzungen.

Der Kellner richtete sich auf, zwinkerte komplicenhaft und hielt den Daumen in die Höhe. Sein breites Grinsen galt einer künftigen Katastrophe, die er zu ahnen schien. Er sah glücklich aus. Dieses eine Mal würde er nur Zuschauer sein.
Zeig’s ihnen, Meister, sagte er.
Ich ließ den Daumen über die Tasten rispeln, riss den Druckknopf auf. Der befreite Balg sank in meinen Arm.
Alles war gut.

Bili und Ronnie sahen zu mir hinauf. Ich lächelte ihnen zu und zog die Liste mit den Schlagern aus der Sakkotasche. Ich beobachtete ihre Mienen, als ich das Papier zerknüllte und die Kugel wie einen Kuss von der flachen Hand hauchte.
Bili verstand.
Ich lüpfte das Akkordeon, dehnte den Balg weit und weiter, holte aus, drückte die Tasten und als der Bluesakkord losheulte, verstand auch Ronnie.

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