Chinesische Transvestiten und andere irische Stories

Mick Fitzgerald

Silberstreifen

15.30: Die ersten Mitarbeiter des Filmteams in O'Donoghues, Merrion Row, Dublin.

Es geht los mit einer Großaufnahme einer Bouzouki, auf der »Bunker Hill« gespielt wird, in der Kneipe O'Donoghues in Dublin, gleichmäßig mit dem Hauch Bass. Schwenk zum Mann mit Gitarre, der zielstrebig durch die Menge schreitet. Die Bouzouki spielt weiter, während der Vorspann abläuft. Wir gehen zurück zum Griffbrett der Bouzouki und zu den Fingern, die hektisch »Bunker Hill« zupfen.
   Schwenk zum Mann mit Gitarre, der sich O'Donoghues nähert. Er kommt an einem Statisten vorbei, der in einen Schlafsack gehüllt neben einem Geldautomaten sitzt und mit einem Pappbecher bettelt.
Innenaufnahme, als »Bunker Hill« im vollbesetzten, überhitzten O'Donoghues endet. Dann zwei Geigen; ein Banjo, ein Akkordeon, Uilleann Pipes und eine Bodhrán schließen sich der Bouzouki zu einem explosiven »The gravel walks reel« an ... es erscheint der Titel ... »Silberstreifen«.
   Der Gitarrist drängt sich zwischen die Musiker (Statisten, einigen mit Gläsern sind ihre Plätze angewiesen worden, so dass der Gitarrist genug Bewegungsfreiheit hat.) Wir gehen über zu einer Aufnahme, die  die Musiker in voller Aktivität zeigt.
   Die ganze Musik läuft als Playback und bei der nächsten Aufnahme mimen Musiker und Statisten nur. Alles, was wir in der überfüllten Kneipe hören, sind zwei Männer, die in einen erhitzten Wortwechsel verwickelt sind. Hinter dem Tresen gibt es zwei Kameras, für jedes Gesicht eine, so dass wir die gesamte Auseinandersetzung und die Reaktionen beider Männer in einer Aufnahme erhalten, was später anders gemischt werden soll.
   Jeder der beiden Männer behauptet, »The Silver Lining Jig« geschrieben zu haben. Der eine sagt, er sei dazu durch das silberne Futter einer Weste inspiriert worden, die er in einem Charity Shop in der Capel Street gekauft hatte. Der andere behauptet, ein Stück namens »Every Cloud« komponiert und »Silver Lining« als Pendant geschrieben zu haben. Jeder behauptet, das Stück als erster gespielt zu haben. Jeder behauptet, der andere habe ihm das Stück gestohlen. Die anderen Musiker überlassen sie sich selbst, um die Besitzverhältnisse zu klären.
   In der Bar drängen sich vier Reihen von Statisten. »Ich hatte den größten Teil des Stücks mindestens sechs Monate lang im Kopf«, sagt der eine.  »Ich konnte den zweiten Teil ums Verrecken nicht zusammenbringen, und als ich ihn dann hatte, habe ich ihn an ein Stück namens Every cloud angefügt ... denn es war wirklich mein Silberstreifen. Du hast mir alles geklaut!«
»Wir werden ja nachher noch sehen, wer hier der Scheißdieb ist«, sagt der andere. »Ich trage die Weste, von der ich den Namen des Stückes habe.« Die Kamera zeigt das silberne Westenfutter.
   Die Kamera schwenkt von der Weste zurück zu einigen handverlesenen »Sonderstatisten«, die wegen ihrer speziellen Kennzeichen ausgesucht worden sind, z.B. ergraute Bärte, Säufernasen oder Zahnlücken. Sie werden gebeten, mit übertriebenem Mienenspiel intensive Gespräche zu mimen. Zwischen ihnen gibt es andere »Sonderstatisten«, die wie Touristen aussehen.
   Die Kamera bewegt sich durch die Menge zurück zu den Musikern. Ein kräftiger bärtiger Banjospieler brüllt »Ruhe, es kommt ein Lied«, der Lärm wird heruntergefahren und alle drehen sich um. Ein alter Mann steht auf und räuspert sich. Er fängt an zu singen und dabei zeigt die Kamera die charaktervollen Gesichter der »Sonderstatisten«.

»In Dublin town we wander around
You'd say we have no cares in the world Sir
But there are no jobs so to get a few bob
half of Dublin city's on the dole Sir
and you ask me why we always smile
and why we sing and dance into the night Sir
with our twisted grins and  our wagging chins
and why we never walk in a straight line Sir
Oh it's drink, drink
the country's on the brink
we know a man's life isn't long Sir
and time must pass but if you fill my glass
I'll paint a bit of Dublin in a song Sir
I'll paint a bit of Dublin in a song.«