zum Songdog Verlag


Heute erschienen und ausgeliefert
Dienstag, 5. November 2019, 15:03 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Edition BAES
www.edition-baes.com

Auszug:

“Bis vor kurzem hatte ich an der Uni geboxt, von 6 bis 7.30 Uhr … mir gefiel die Idee, dass mein Umgang mit der geistigen Elite dieses Landes sich auf das Austauschen von Schlägen, von Haken und Geraden beschränkte. Auf was sonst?, könnte ein Kritiker der geistigen Elite nachhaken. Aber die Kritiker der geistigen Elite gehörten ebenfalls zur geistigen Elite, und eine Krähe hackt einer anderen kein Auge aus. Außer die Krähe war der Ansicht, dass die andere Krähe über ein drittes Auge verfügte, das ihr einfach nicht zustand. Aber wen interessierte das? Lesen Sie Thomas Bernhard, der hatte dazu einiges zu sagen. Nein, lesen Sie Bernhard nicht. Wozu auch?”



Das Sprüchemuseum (121)
Donnerstag, 10. Oktober 2019, 12:17 Uhr
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“Neben der Terrorbekämpfung könne sich die Polizei nicht auch noch um Rechtsextremismus kümmern.”

Der Vorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft, Oliver Malchow.

Wir sagen: Dafür haben wir vollstes Verständnis. Denn wenn Neonazis, Rechtsextreme und anderer Müll Synagogen angreifen und Leute killen, mag das vieles sein, aber sicher kein Terror. Zumindest nicht in Deutschland.



“Das Glück…”
Dienstag, 1. Oktober 2019, 10:39 Uhr
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Mit Freude und gedimmtem Stolz gebe ich bekannt, dass in Kürze „Das Glück der falschen Fährten“ (eine Novelle) bei der „Edition BAES“ erscheinen wird.

Das Buch kann bei mir vorbestellt werden.
niedermann@songdog.at
andreasniedermann@hotmail.com

“Was machen, wenn eines Tages eine berühmten Singer-Songwriterin bei einem einquartiert wird? Wenn Lucinda Williams, die sie sich in Wien - inkognito - ihre ramponierten Stimmbänder behandeln lassen will, mit einem Mal dasselbe Bad benutzt?
Niedermann, der einen Vortrag zu schreiben hat, kommt dabei schwer aus dem Tritt. Jede Nacht erscheinen ihm Countrygrößen im Traum, seine Arbeit geht nicht voran, und so vertreibt er sich die Zeit mit Spaziergängen, dem Abschreiben fremder Texte, Erinnerungen an Boxkämpfe und Lesungen, vergangene Skandale und das 90er-Jahre Wien. Dabei denkt er auch über den Literaturbetrieb nach, streitet sich mit seinem Kollegen, dem Bestsellerautor Alex, und versucht ansonsten Lucinda Williams Aufenthalt in seinem „Camp“ so angenehm wie möglich zu gestalten.”

Das Buch hat ca. 140 Seiten und kostet ca. € 14 / sfr. 18.-


Brüllen und nölen
Sonntag, 29. September 2019, 10:45 Uhr
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Ich wollt’s wieder mal wissen. Gucken, ob die Worte von Harald Schmidt nicht doch übertrieben waren: „… Von der Qualität amerikanischer Serien sind wir in Deutschland Lichtjahre entfernt, ich wiederhole: Lichtjahre – aufgrund der Autoren und der Schauspieler die sowas auch spielen können.”

Und schon die ersten Bilder, das Set-up von „Skylines“ macht was her. Motorräder, die über eine Brücke brausen. Ein bisschen Easy Rider darf schon sein, vor der nächtlichen Skyline von Frankerlin. Perfekt. Aseptisch.

Dann die ersten Szenen. Clubszene. Gepflegt abgefuckt. Im Vordergrund die üblichen Brutalo-Hackfressen von Mitmenschen mit Hintergrund. Und dann geht’s auch schon germanmäßig los: Einer brüllt, einer nölt und einer hört es sich nicht an.

Da waren wir schon mitten drin im deutschen Theater, im deutschen Film: Brüllen und nölen.

Und schon wieder hat man genug.
Aber nächste Woche gibt’s die dritte Staffel von „Goliath“.



Annette „la Corragiosa” Lorenz (1968 - 2019)
Montag, 16. September 2019, 17:39 Uhr
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Ich glaube es war 2010 oder 2011, als ich eine Anfrage erhielt, ob der Songdog Verlag Interesse hätte, „The Brave“ von Gregory McDonald zu veröffentlichen. Das Mail kam aus Leipzig, von einer Bibliothekarin namens Annette Lorenz, die den Roman ins Deutsche übersetzt hatte. Ich kannte weder den Roman, noch den Autor, noch die Übersetzerin.

Aber der Roman war bereits in einige Sprachen übersetzt worden, und Johnny Depp hatte mit der Verfilmung Anfang der 90er sein Regie-Debut in Cannes gegeben. Mit ihm selbst, und Marlon Brando in den Hauptrollen. Musik: Iggy Pop.

Der Roman war nur etwas für starke Nerven, ging es doch um ein Snuff-Video, bei dem ein alkoholkranker Indianer sich für 30 Tausend Dollar zum Wohle seiner jungen Familie zu Tode quälen lassen wollte.

Annette Lorenz, die Übersetzerin, hatte den Roman einigen Verlagen angeboten. Kein Interesse. Aber ich wollte ihn machen. Und es gelang. Es war irre genug, dass ein Pimperl-Verlag wie Songdog ohne jedes Kapital die Rechte erhielt, und da Annette Lorenz, wie sie betonte, kein finanzielles Interesse hatte, und dann auch noch der Lektor Markus Schütz helfend eingriff, erschien 2013 der Roman. Es wurde ein toller Roman,und wie erwartet, ein Flop. Nur bei Amazon kletterte der Preis für den Depp Film.
So ist das, in diesem Business. Aber was solls? Es war ein tolles Abenteuer.

Annette Lorenz blieb dem Verlag verbunden. Uns verband auch eine gemeinsame Liebe zur Beat-Literatur, vor allem zu Jack Kerouac, über den wir uns hin und wieder austauschten. Auch ihr letztes Projekt, mit dem sie sich bei mir meldete, war eine Erzählung von Kerouac. Und zwar auf französisch. Sie hatte sie irgendwo entdeckt, und sich ans Übersetzen gemacht.

Ich fand es bemerkenswert, wie genau sie den Ton von Kerouac zu treffen wusste, dieser ihm eigene Ton, kraftvoll und doch druchdrungen von Melancholie, die man noch bei Hemingway und Fauser finden kann.
Wir wollten das Buch natürlich machen, da die anderen angefragten Verlage abgewinkt hatten.
Aber es kam nicht mehr so weit.

Annette Lorenz und ich haben uns zweimal getroffen. Einmal, wenn ich mich recht erinnere, in Augsburg und das andere Mal in St. Gallen, auf Einladung von Florian Vetsch zur „The Brave-Lesung“ im Kultbau St. Gallen. Sie kam extra aus Leipzig, und wollte nicht mal die Gage annehmen.

Vor einigen Tagen erreichte mich die Nachricht, dass Annette Lorenz an Krebs gestorben ist.



Immer noch
Sonntag, 8. September 2019, 09:20 Uhr
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Ich lese immer noch Wolfgang Pohrt. Und ich kann noch immer nicht verstehen, warum nicht alle es tun.

(Aber vielleicht tun es ja alle, und ich weiß nur nichts davon)

Wolfgang Pohrt  / Sämtlich Werke
Herausgegeben von Klaus Bittermann  in der Ed. Tiamat

https://edition-tiamat.de/unsere_autoren/wolfgang-pohrt/



Radeln und Lesen
Samstag, 31. August 2019, 17:39 Uhr
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Heute las ich in einem Interview mit Kathrin Passig, dass sie nun etwas ganz cooles entdeckt hat: Lesen im Fitnessstudio!
Ja, sag, echt jetzt?
Radeln und lesen?

Ich könnte jetzt erzählen, dass ich das schon seit Jahrzehnten mache. Könnte ich. Mach ich aber nicht. Sonst sind wieder alle Ergometer mit lesenden Nichtlesern besetzt. Also: shut the fuck up!



Bin ich ein Politker?
Freitag, 23. August 2019, 11:26 Uhr
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Der dänische Comedian Anders Breinholt griff meine Idee von gestern auf, und sagte, dass man Trump Grönland im Tausch gegen Arkansas anbieten könne. Ich hatte allerdings zu Arkansas auch Texas und Kalifornien gefordert. Wie dem auch sei: Ich fragte mich, ob ich vielleicht gar ein Comedian war? Und da so viele von der Sorte in Regierungspositionen drängen, fragte ich mich auch, ob ich nicht doch ein Politiker war?

Man kann Irrsinn nicht mit Normalität begegnen, und den Wahn in ein normales Leben hereinintegrieren. Oder, wie eine der großen Zeitfragen lautet: Wie einem Irren klar machen, dass er irre ist?



Hin und wieder
Donnerstag, 22. August 2019, 10:11 Uhr
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frage ich mich, warum man einem abartigen, megalomanen, clownesken Soziopathen wie Trumpel, z.B. auf sein Ansinnen Dänemark Grönland abzukaufen, mit Empörung usw. reagiert?
Warum antwortet man ihm nicht freundlich, sanft und bestimmt: „Klar, Trumpel, moch ma. Aber wir schlagen einen Tausch vor: Wir hätten gerne Texas, Florida, Kalifornien und Arkansas dafür. Geht das okay?”



Die Winslow Therapie (6)
Sonntag, 18. August 2019, 15:38 Uhr
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„Downey gestikuliert wie ein aufgescheuchter Schwarm Wachteln.”

Don Winslow (Jahre des Jägers)

„Was haben Sie nun schon wieder?“, fragte mein Therapeut mit verärgertem Unterton in der Stimme. Ich fand, diese Verägerung stand ihm nicht zu. Er wurde fürstlich entlohnt. Nicht wie der Schreiber für lesende Nichtleser, Winslow; aber doch annähernd. Nicht so wie ich, der rechtschaffene Autor von Romans noirs, dessen Ruf - und das ganze verdammte Genre-, von schreibenden Analphabeten wie Don ruiniert wurde. Dies sagte ich meinem Therapeuten.
Er sagte: „Es liegt vielleicht einfach an der Übersetzung?“
Ich sagte: „Das Ding wurde von Conny Lösch übersetzt.“
Er sagte: „Und?“
„Ich kenne Conny Lösch. Sie hat auch Elmore Leonard  übersetzt. Gut übersetzt.“
„Wer ist Elmore Leonard?“
„Einer ders kann. Konnte. Gegen ihn ist Winslow einfach nur ein Clown.“
Dann tat mir plötzlich mein Knie weh, und ich verabschiedete mich Winslowmäßig gestikulierend wie ein Konklave nach einem gemeinsamen Toilettengang…