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Tagebuch eines schreibenden Landmanns (4)
Montag, 1. Juli 2019, 12:13 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Dann war plötzlich dieser kleine, fast winzige Vogel im Raum. Er war unter dem Fliegengitter hindurch geschlüpft und stieg sogleich auf, um durch das obere Fenster wieder nach draußen zu fliegen. Das Fenster war geschlossen und ohne Leiter nicht zu erreichen. Fand ich nicht cool. Ich mag Vögel nicht besonders.

Vögel sollen draußen ihr Ding machen. Hat ihn die ungewöhnliche Hitze hier oben irritiert? Es ist so heiß, dass es selbst auf dem Jungfraujoch in etwa 3500 Metern sechs Grad hat. Das Silberhorn ist aper. Hab ich noch nie so gesehen. Die Berge sehen traurig aus, ohne den Schnee, als hätte man sie vergewaltigt und nackt im Fels stehen lassen.
Aber zurück zum Vogel: Ich holte im Schuppen die Leiter. Natürlich hatte es sich der Kleine inzwischen anders überlegt und flog hinauf ins Gliger, kackte auf die Bücher, als ich nachkletterte. Aber als Ex-Rinder-und Kälberhirte wusste ich, wie man Viecher in die richtige Richtung treibt. Der Kleine schaffte sein Ärschchen raus. Fenster zu. Mission accomplished.

Danach rauf ins Dorf, zum Einkaufen. Fitnesstest. Mit Bravour bestanden. Mein Schrittzähler verzeichnete den Aufstieg als 39 Stockwerke. Pas mal, n’est ce pas?

Schreiben und kochen. Das Hemingway Pensum: 500 Worte. Jack London schrieb tausend pro Tag. Und dann der erste Drink. Und dann tot mit vierzig. Also nur 500 plus no Drink. Spießertippen.

Nachmittags wird die erste der etwa 5 Tranchen gemäht. Das Gras steht sackhoch. Minimum. Das wird mich fordern. Den schweren Motor des Fadenmähers auf dem Buckel, im steilen Sauhund stehend.

Halleluja!


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