zum Songdog Verlag


Das Sprüchemuseum (75)
Sonntag, 31. Juli 2016, 10:16 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

“Muslimischer Theologe sieht Religion als Schutz vor Terrorismus.”

Schlagzeile FAZ.net

Wir sagen: Stimmt. Fragt sich nur welche Religion. Andererseits raten wir unseren Redaktionsmitgliedern auch zu einem gepflegten Alkoholismus, der sie vor einer Heroinsucht bewahrt.



„Standing“ ein Film über den SChriftsteller Franz Dobler
Donnerstag, 28. Juli 2016, 16:30 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Eben reingekommen und ich sag jetzt nicht: Schaut’s euch das an.

“Der Film von Hubl Greiner erzählt von einem Schriftsteller der mit seinem teils brachialen und immer schonungslos kritischen Duktus kein Unbekannter ist.”

http://dbate.de/videos/standing-ein-portrait-des-schriftstellers-franz-dobler/



Lesen
Mittwoch, 27. Juli 2016, 17:25 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Ich lese Raymond Chandlers Briefe von 1937 - 1959.
In einem Wort?
Beglückend.



Büezer Herz
Dienstag, 26. Juli 2016, 18:26 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Büez: berndeutsch für Arbeit

Wenn man allenthalben das Schweizer TV oder das Radio anmacht, so kommt es  vor, dass man auf den Autor Pedro Lenz stößt, man stößt so oft auf ihn, dass man sich zu fragen beginnt, was die Redakteure tun würden, gäbe es den Pedro nicht.
Aber es gibt ihn. Zum Glück. An der Küchentür meiner Verwandschaft hängt ein Poster von ihm. Er sieht gut aus. Man hängt sich gerne ein Poster von ihm in die Küche. Man kann Pedro Lenzens Gesicht auch auf enormen Plakaten sehen, und sein Buch „Dr Goalie bin ig“ (Der Goalie bin ich), eroberte - gefühlt- so einige Kunstgattungen, schätze, die Oper ist in Arbeit, das Ballett ebenso, und auch die Kondome mit Kafimitschussgeschmack. Wollen wir hoffen, dass es so ist, denn um in der Schweiz als Autor von den Produkten der Büez zu leben, ist eine eigene Kunst. Aber die Schweiz braucht einen wie ihn. Einen Autor, der ein guter Kerl ist, aufrichtig und ehrlich (redundant, ich weiß), einer der ein soziales Gewissen pflegt, einer, dessen Herz  für die einfachen Leute schlägt, die Loser und die schrägen Outcasts, einer, der das Volk nicht der SVP überlässt. Ein Mann, dem man höchstens vorwerfen kann, dass man ihm nichts vorwerfen kann.

In einem Interview sprach er dann von seinem „Büezerherz“. Ich horchte auf. Das gefiel mir. Der berühmte Autor hat nämlich 7 Jahre als Maurer gearbeitet, eine absolute Rarität, sozusagen eine Preziose, in dem Schwall von Literatenbiografien. Ja, ein Büezerherz. Hab ich auch.  Zum Glück. Denn wenn die Jugend weg ist, ist meist auch der Rest weg, und es bleibt einem nur die Büez, die Arbeit.
Die Arbeit am Roman, und die Arbeit im steilen Schlund, wo zwei Dutzend gefällte Bäume liegen, die ich mit Winden und Seilen herausziehe, metrig säge und auf die altmodische Art (mit Keilen und Schlegel) spalte.

Leider bin ich kein so guter Kerl. Und mir liegen die Leute auch nicht am Herzen, ich finde die Leute immer dann am Besten, wenn sie ihr DIng machen - weit weg von meinem Ding. Aber ich kann nichts dafür, so wie Pedro nichts dafür kann, dass man ihn einfach mögen muss. Auch, sagte er, fahre er immer 2. Klasse. Ich fast nie. Ich weiß, das ist schockierend. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich eigentlich nie Geld habe.
Aber ein Büezerherz habe ich trotzdem. Und was für eins.



Mein Leben (zur Zeit)
Montag, 18. Juli 2016, 19:45 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Vormittags bin ich eine 53-jährige Frau, die in der Glut der Großstadt um ihre Existenz kämpft, um ihren Sohn, ihre Liebe, ihr Überleben. Sich gegen die Zumutungen des Lebens stemmt und mit einem schmerzlichen Verlust klar zu kommen versucht.
Am Nachmittag bin ich ein Kerl der mit nacktem Oberkörper, eingeölt und mit Pferdeinsektenschutzmittel besprüht, technische Probleme löst. MIt Seilwinden, Seilen, Gurten, Beil und Axt, Sapie und Motorsäge, Spaltkeilen und Vorschlaghammer.
Mir scheint, es wäre das ideale Leben, jenes, das ich immer führen wollte, als ich es aufgeben hatte ein Rockstar zu werden. Und das ist wirklich schon mehr als zwei Wochen her.



Die Knallbar Diaries (25)
Sonntag, 17. Juli 2016, 22:35 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

„Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, kann ich mir ein leises Schmunzeln nicht verkneifen.”
Ich, ich könnte mir nicht einmal ein lautes Schmunzeln verkneifen. Jo mei, Kollegin, des host toll hingekriegt: Gleich im ersten Satz einen Volltreffer. Des megen die Leit. So aus dem Leben gequasselt, so voll die Tüte, waaast eh, und an Hamur hammer aa no.
Wo bitte, geht’s hier zum Pulsadern aufschneiden?

Scherz. Ich habe heute vom Balkon gepisst. Somit bin ich ein freier Mensch. Aber es reicht auch, wenn sie nur irgendwohin in die Landschaft schiffen, um ein freier Mensch zu sein. Aber da ich vom Balkon geschifft habe, bin ich einfach etwas freier als die piefigen „Nur in die Landschaft-Schiffer.”

Wie ich darauf komme? Ganz einfach: Kollege A. S. aus den Beskiden hat in einem Interview verlauten lassen, dass er frei sei, weil er einfach in die Gegend schiffen kann, ohne dass sich jemand beschwert. „Das ist Freiheit“, sacht er.

Mann, bin ich frei. Schmunzelfrei. Hätte ich was zu sagen in der Welt, würde ich jeden Text vernichten lassen, in dem das Wort „schmunzeln“ vorkommt. Und „leises Schmunzeln“ wäre die Exkommunikation aus der menschlichen Spezies.
Ich weiß, ich bin noch viel zu weich und nachsichtig. Ganz schmunzelfrei.



Harry Dean Stanton ist 90 Jahre alt
Samstag, 16. Juli 2016, 09:58 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Harry Dean Stanton wurde am 14. Juli 90 Jahre alt.
Die versammelten, aufgebrezelten Redaktionsmitglieder sangen Happy Birthday für Harry Dean. CIen anos, HDS!!
HDS eint uns. Wir lieben ihn, und hörten den ganzen Tag „Partly fiction“.

Wir weisen zudem höchst erfreut auf die schöne und wahre Festschrift von Karl Fluch im „Standard“ hin:

http://derstandard.at/2000041074032/Harry-Dean-Stanton-Ein-Mann-wie-ein-Countrysong



Die Knallbar Diaries (24)
Freitag, 15. Juli 2016, 14:58 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Neben den ganzen traurigen, deprimierenden und herzzerreißenden Verbrechen die menschlicher Müll uns antut, aus Gründen die wir nur erahnen können: Lüge, Größenwahn, Blutdurst und die ganz normale Verkommenheit, müssen wir doch weiterleben, und weiterleben heißt weitermachen und weitermachen für Lev-André Knallbar heißt… ja, woher ich soll ich denn wissen, was das heißt?

Ich tippe ein bisschen und mache mich selber fertig, indem ich lese. Wie jede/r andere auch, stehe ich auf Klatsch. Und das beste Klatschbuch ist immer noch „answerd prayers“ vom Streckfus Persons vulgo Truman Capote. Was für ein Autor!
Es ist meinem Masochismus geschuldet, dass ich dieses Buch lese. Bei jedem zweiten Satz hält man inne und fragt sich, wie der kleine Mann das nur gemacht hat. Es ist wie Jimi Hendrix beim Gitarrespiel zusehen: Man sieht es genau, und weiß doch nicht, wie ers macht.

Angesicht dieses ordentlich fiesen, piepsstimmigen Genies komt eine  Bestsellerautorenpfeife wie ich schnell runter vom hohen Ross (auf das ich nie geklettert bin. Das erleichtert das Absteigen ungemein.).
Aber Klatsch kommt gut. Und nun gibt es auch Klatsch in den unteren Ligen der österreichischen Bestsellerproduzenten. Da stehen zwei auf der Müllkippe der Souschelmidias und bewerfen einander mit dem Müll, den andere abgeladen haben. Man muss sie dazu beglückwünschen und ihnen dankbar sein. Beglückwünschen für ihre rohe Schmähkraft und dankbar, dass sie uns daran teilhaben lassen.

Das Ding schlägt Wellen bis ins Ausland. Auslöser war der Artikel eines pragmatisierten  Kulturchefs eines Wiener Blattes, der was sagte, was einigen Schreibenden nicht gepasst hat. Und dann gings los. Wurf und Gegenwurf. Ich schätze das. Es ist, wie wenn sich Schimpasen im Zoo mit Obst und Scheiße bewerfen. Aber viel besser, da ich mich nicht in den Zoo bemühen, und dort nicht nur der Fauna, sondern auch der Mitmenschheit ansichtig werden muss.

Weiter so. Kann ich da nur sagen. Kommt gut, Leute. Wir haben viel Spass. Schlammcatchen für renintente Sonntagsschüler. Das Interesse von uns allen, ist euch gewiss. Der Bücherabsatz wird steigen. Und jetzt sind wir wieder bei Lev-André Knallbar: Das ist schließlich das Wesentliche. Ihr habts gecheckt, Kollegen.
Die Kunst ist etwas für gemeine, kleine Homosexuelle und andere Versager, die ihrer Autorenpflicht, permanent in den Souschelmidias auf sich aufmerksam zu machen, nicht nachkommen.



Treue
Dienstag, 12. Juli 2016, 12:08 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Die Abendsonne flickerte durch die raschelnden Blätter des Lindenbaums. Später kam der Nebel aus dem Tal zu mir herauf, wie freundlicher, verspielter, nach kühlem Fels schmeckender Rauch. Er verzog sich gen Nordwesten, hüllte das Nachbarshaus ein, zog weiter, und neue Schwaden kamen und führten das Angefangene fort. Ich saß auf dem Balkon, trank George Dickel, bewunderte die Arbeit des Nebels, des weißen Negers Wumbaba, und hörte etwas von Willi Nelson.

In der Nacht kam der Regen und mit ihm der Wind, und  sie bearbeiteten gemeinsam die Blätter der Linde, es prasselte, tropfte und raschelte die ganze Nacht.
Ist das spannend? Irgendwie schon.
Es ist kühl, und wenn es kühl ist, erlischt die Vorstellung von der Sommerglut, die nun anderswo die Städte einkerkert.
Sie wird abwarten, bis ich wieder da bin, wo sie auch ist. Die Hitze mag nicht ohne mich beginnen. Nichts ist treuer als der Schmerz. Merkt euch das.



Die Knallbar Diaries (23)
Mittwoch, 6. Juli 2016, 10:31 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Jetzt hat Kollege M. W., diese Welt also auch verlassen. Man hört überall Gutes über ihn, und ich denke, dass es nur gerecht ist. Keinen überflüssigen Satz soll er geschrieben, kein unbedachtes, hülsiges Wort gesetzt haben, allet pico, und das, was ich vom ihm gelesen habe (wenig genug), bestätigt es. Der Größte und Beste seit Dürri und Max, sagen einige. Kann sein. Aber wem liegt was an einem Ranking? Sicher nicht M.W.

In einem seiner letzten Interviews sagte er über seinen Erfolg, sinngemäß, dass man gelassen bleiben muss. In Misserfolg und Erfolg. Interessant daran ist, dass man den Spruch immer wieder mal hört. Ausnahmslos von arrivierten Autoren. Okay, das liegt vielleicht daran, dass die Erfolglosen eher weniger zum Interview gebeten werden. Zum einen. Zum anderen: Ich glaubs nicht.
Als ich noch nicht Lev-André Knallbar das erfolreiche, reiche Arschloch war, da war ich bis oben hin angefüllt mit Neid, Bitterkeit und Bosheit (bin ich noch), die ich allerdings erfolgreich niederrang. Mit Boose, Verachtung und ein paar schnuckligen Attitüden. In guten Zeiten, mit meinem unbeugsamen Durchhaltewillen. Aber gelassen? Damals?
Aber nicht doch! Jetzt bin ich gelassen. Es ist um einiges leichter, erfolgreich gelassen zu sein, als erfolgslos.

Wie auch immer. M.W. ist nicht mehr. Und ich habe nie ein ganzes Buch von ihm gelesen. Das ist meinem MIsstrauen gegen bärtige, schlaksige Männer geschuldet, jenen mit den runden Brillen und dem Lehrerpatent. M.W. war Lehrer. Und wie man so hört, war das damals in der Schweiz, die Lizenz zum Schreiben.

Vorurteile? Aber sicher. Ich bin voll davon. Wie jeder einigermaßen vernünftige Zeitgenosse. Bring dein Vorurteil zu einem Urteil, war schon immer mein Motto. Und sonst gilt immer noch B.D’s. Songzeile: „There’s no success than failure, and failure there’s no  success at all.”

Machs gut, M.W.