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Die Schweiz, die Leber und Afrika
Dienstag, 30. Juli 2013, 17:20 Uhr
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Vorhin im St. Gallener Denner (Discounter), fragte eine schwarzafrikanische Frau den bierkartonkarrenden Ladenschwengel in klar gebrochenem Schwyzertüütsch, wo denn hier die “Leber” zu finden sei?
Dio cane, madonna spudellata, gute Frau; meine  liebe, süße, aber verwirrte Afrikanerin, sie fragen nach “Leber”? In der Schweiz?
Fragen sie doch mal bei Exlibris nach dem neuen Gedichtband von Jerk Götterwind?

Hier gibt es längst keine Leber mehr. Auch keine Lunge, keine Nieren, keine Thymusdrüsen, kein Hirn und kein Herz, keine Hoden und keine Kutteln; hier gibt es -wenns ganz schlecht kommt- ein Kotellett, ein Schnitzi vom Schwein, aber sonst nur -bitte sehr- Huftsteaks, Karresteaks, Entrecotes, Filets mignons, Rumpsteaks, T-Bones, Dry-aged beef. Dio rospo, questa e la svizzera, si manga carne fine, nix da Leber, die Leber ist längst auf dem Weg nach Afrika, in deine Hoemtown, liebe dunkelhäutige Frau, dort ist die Leber, zusammen mit dem Rest der Innereien, den Hühnerflügeln, Hälsen, Köpfen, Füßen, den Knochen und den Därmen, sowas essen wir hier nicht (mehr).

Wenn du Leber willst, liebe Frau, kauf dir ne Leberwurst und bete, dass da auch welche drin ist.
Oder eine Dose Hundefutter. Da stehen die Chancen gar nicht so schlecht. (Hab ich mir sagen lassen..)



Noch nicht
Samstag, 27. Juli 2013, 15:52 Uhr
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Das war’s. Aus. Vorbei. Ich verlasse das Haus in den Bergen, wie der Almöhi seine Ziegensennerei vor dem nahenden Winter. Nur leider ist kein Winter in Sicht. Nirgends. Nur Stau und Hitze. Mörderische Hitze. Für die armen Berner Oberländer sind schon 29 Grad eine Hitze, die man beklagen darf. Da lächle ich milde. In mein City sind es 38 Grad. Ich weiß auch nicht. Aber hier stimmt was nicht. In der globalen Temperaturregulierung.

Nun denn, ich hatte 2 oder 3 freie Tage. Sonst hab ich einiges weggehackelt. In der Rückschau nimmt es sich etwas mickrig aus. Nehmen wir nur die Reperatur des Fußbodens im Eingangsbereich: Sieht nach nichts aus, war aber nicht unknifflig. Man sieht nichts, weil die eigentliche Arbeit im verborgenen Teil rühmlich vor sich hinprangt.

Läppisch, nicht wahr? Andere Arbeiten machen mehr her, waren aber weniger aufwändig (was’n blödes Wort, aber in diesem Falle treffend). Neuer Raum. Neuer Boden, neue Wände, aber noch nicht ganz fertig. Wieder andere, wie der Zufluss zur Eselstränke, machen gar nichts her und nur der Kenner erkennt den zugrunde liegenden Geistesblitz und weiß die Suche nach dem geeigneten Werkstoff zu würdigen.

Fast bin ich versucht eine Analogie zum Schreiben zu fabrizieren. Mach ich aber nicht. Man kann zu allem eine Analogie basteln. Die Welt ist übervoll mit Analogien, ohne dass die uns weiterbrächten. Eine Analogie ist einfach eine Analogie und nur der Kenner kennt sich aus, wie schon der Name sagt.

Wie gesagt, ich ziehe bald zu Tal, Alpabzug sin besties sozusagen, neue Bewohner beziehen das Haus, schlafen in meim Bettchen, essen aus meim Tellerchen, vercheuchen meine Fliegen. Und schon hätten wir wieder eine Analogie. Zu was? Zu: wie’s halt so läuft.

Aber noch ist nicht ganz so weit… Noch nicht …



Darüber schreibe ich bestimmt nicht
Montag, 22. Juli 2013, 21:11 Uhr
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Heute hätte es mich beinahe wieder mal erwischt. Ich hätte beinahe etwas zur Schweizer Literatur gesagt. Ich hörte den Schweizer Kultursender und da wurde eine Buchkritik angekündigt. Wessen Buch soll da besprochen werden? Da gibt’s doch nur einen: Der Hohler Franz. Dem eben erst ein großer Literaturpreis verliehen wurde. Ja, der Hohler Franz, der sich an der Generalversammlung des AdS (Schriftstellerverband) dafür stark gemacht hat, dass endlich wieder mal ein Schweizer für den Nobelpreis vorgeschlagen würde. Nein, im Ernst. Nur nicht scheu sein, sagte er. An sich hat er nicht gedacht, das wäre unschweizerisch.

Nun, ich konnte mich nochmal zurückhalten, sonst hätte ich z.B. gesagt, dass der Hohler Franz inzwischen zum Sinnbild für den engültigen Sieg der Alternativen, der Grünen, der Linken in der Schweiz geworden ist. Sieg auf der ganzen Linie. Nur noch gute Menschen die schreiben. Den einzigen unguten Menschen und Dichter, den Freysinger Oskar, durfte nicht dem AdS beitreten, dabei ist er Schriftsteller, hat Bücher publiziert, aber er ist halt bei der SVP. Ist das in Ordnung?

Das hätte ich vielleicht geschrieben, wenn ich was geschrieben hätte, was ich aber nicht tat, denn es geht mich ja nichts an, und außerdem habe ich Ferien und muss, wie jeder arme Hund, in den Ferien krüppeln und krüppeln heißt eben nicht schreiben, sondern schöpfen und reparieren und für den Winter vorsorgen, und ich schätze dieses Krüppeln schon sehr, denn wenn es dies nicht gäbe, hätte ich sicher was über die langweiligen Bücher der Schweizer Kollegen gesagt, wie sie Ding für Ding rausstupern, nett gemacht, geliebt vom Publikum mit den grauen Haaren, wie es gerne diese Literatursendung bevölkert, wo ein Zweifel niemals an sich selber zweifelt und einem das Dauergrinsen der Frau Keller so zusetzt, dass man sich Elke Heidenreich als Domina wünscht, Frau Heidenreich die immer noch glaubt, dass man jemanden zum Buch verführen kann, wie im Märchen, wo aus dem Frosch ein Prinz wird, jawoll sie als Domina, die einem das gute Buch mit der Peitsche gibt, aber dann schwenkt die Kamera auf den Philo, den alten Mann und sein Bart, dem der andere alte Mann fehlt, jener, wegen dem Henryk Broder seinen Börne-Preis zurückgeben hat, gleich dem guten Heino, der den Bambi in ein Kuvert steckte, als Herr Bushido das Reh ebenfalls gekriegt hat. Und wenn ich wirklich was geschrieben hätte, dann hätte ich geschrieben, dass ich mir niemals hätte vorstellen können, dass ich Heino einmal als den einzigen Charakterkopf in der ganzen Bullshit-Bambi-Preisträgerriege lobhudeln müsste.
Aber ich schreib ja nicht. Ist besser so. Schreiben verdirbt einem nur die Maloche.

Jetzt trink ich draußen auf der Terasse einen “Dark-Light” und ein Bier, schaue mir an, wie die Nacht den Tag über die Bergkuppen schiebt, gehe früh schlafen, denn morgen habe ich frei. Wandern. Zum Glück habe ich mir mit Schreiben nicht die Laune verdorben… Hat nicht viel gefehlt.



Mac, die Fliegenfalle
Sonntag, 21. Juli 2013, 18:58 Uhr
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Ich habe mir meine Lieblingspasta gekocht, alio/olio, ich ess das so selten, Pasta, aber nun, als ich so am Essen und am anderen Ende des Tischs mein MacBook Pro am Aufladen war, geschah seltsames. Fliegen gesellten sich zu uns. Fliegen, Fliegen, Fliegen. Aber sie waren nicht etwa scharf auf meinen Salat und die Nudeln, nein, sie hockten sich auf die silberne Haut des Macs. Baby, die waren vielleicht gut zu sehen!
Und wie ich so bin, zog ich einer nach der anderen eine mit der Klatsche über.
Nun denn, das MacBook als Fliegenfalle! Das gab’s noch nicht, oder?
Fliegen sterben für einen Mac.
Kauft mehr Mac, denn so viele Fliegen … irren.

Aber wir tappen alle in unsere Fallen …



Die wählen den
Freitag, 19. Juli 2013, 10:13 Uhr
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Die FPÖ macht Stimmung gegen die SPÖ, und zwar mit einem Plakat, das das Konterfei des Inzestverbrecher Josef Fritzl, der jahrelang seine Tochter und die von ihm gezeugten Kinder, in einem Kellerverlies gefangen hielt, zeigt.

Stellt sich die Frage, ob die FPÖ damit nicht ihre Wähler überfordert?
Die wählen den doch …



No Gebirgstagebuch
Donnerstag, 18. Juli 2013, 21:10 Uhr
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Bereits das dritte Mal schaffe ich es nicht, ein “Gebirgstagebuch” zu führen. Warum? Eine einleuchtende Erklärung wäre, dass ich noch nie Tagebuch geführt habe, nie, zu keiner Zeit. Erst im Nachhinein. Tagebuch danach, ja, das schon.

Wie auch immer. Ich bin in den Bergen. Ich arbeite tagtäglich. Ich veredle böse, wilde Kellerlöcher und verwandle sie in bestens isolierte Wohnräume. Ich arbeite 20 Meter Fichten im steilsten Gelände auf, schneide Holz, spalte es, fülle es in den Schuppen, kümmere mich um 2 Esel, und wieder schwant mir, dass ein hartes, einfaches Leben, wohl das richtige Leben sei. Ich weiß, dass es so ist. In eigener Verantwortung, ohne Regierung und Subvention, mit genügend Wein für die traurige, schöne und kühle Dämmerung. Gastfreundschaft und ein Gewehr über der Tür (für die ungebetenen Gäste).

Als ich die Fichte zerlegte, zeigte sich, dass der Vorschlaghammer immer noch mit Bumms und Zug auf die Keile knallte, es ist alles noch in Ordnung, nur nicht mehr so oft. Und ich habe schwer erklärbare Lust auf kleine Päuschen nach einer kurzen Serie von Schlägen. Es stimmt mich noch nicht sorgenvoll, aber doch…

Ist es der fehlenden Praxis geschuldet oder der sich stetig entfernden Kraft der Jugend und das Nähern der Stärke des Alters?

Die Antwort auf diese Frage, wird es in den nächsten Tagen geben…



Altbekanntes aus Austria
Mittwoch, 17. Juli 2013, 19:09 Uhr
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Der österreichische Bundespräsident Fischer rügte in einer Rede zur Eröffnung der Bregenzer Fetsspiele die USA. Jo mei, so was kommt gut in Ösicounty (und auch anderswo). Fett Antiamerikanismus, das mag der geneigte Wähler, und wir alle erinnern uns noch, wie neulich der UHBP Fischer mit dem Morales im Wiener Flughafen smalltalkte, während die österreichische Flughafenpolizei den Flieger nach Snowden (oder seinen abgebrochnen Fingernägeln: Sicherheitsrisiko!!) durchsuchte.
Mir hat noch niemand die Frage beantwortet, auf wessen Geheiß die Maschine von den Ösis durchsucht wurde.
Oba des is nix Neues in Austria: Zuerst den Mächtigen zu Willen sein, um ihnen dann, superpopulistisch und von hinten, ans Bein zu pissen.



“LaborBefund” 1-5
Dienstag, 16. Juli 2013, 13:11 Uhr
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Nicht mehr allzu oft kommt es vor, dass ich, wie neulich, nach einem harten (körperlich, also richtigen) Arbeitstag müde im Bett liege und noch schnell in was Literarisches reingucke bis der Bizeps endgültig versagt, und dann -Achtung! jetzt kommt’s - einfach in den Texten bleibe, bis es keine ungelesenen Buchstaben mehr gibt.

Aber vor zwei Tagen so geschehen.
“LaborBefund” heißt die kleine Zeitschrift, und, “Literatur aus der Wirklichkeit”  der Untertitel. 5 Ausgaben gibt es bislang von den Broschüren, herausgegeben von Andreas Balck und Ni Gudix, Berlin, zu Hamburg, zu Kölle.

Ich begann zufällig mit der Nr. 3 und las Poetry von einigen bekannten Herren, wie Benedikt Kramer, Urs Böke und von Hermann Borgerding, dessen neuer Gedichtband “Extraball. Prosaische Lyrik” von Florian Günther im “Drecksack” - wie mir scheint, völlig zu Recht - gelobt und gelobt und gelobt wurde, Poetry von Ni Gudix und Mario Thorban, von Marcus Mohr und dem guten Riesen Jerk Götterwind, Poetry vom Feinsten, da mitunter sackgrob und treffend, melancholisch und schön und wahr, und auch - nicht zu unterschätzen - immer auf den Punkt gebracht, und nicht zu vergessen, ja, im Gegenteil, irre erwähnenswert, die Stories der Damen: Das Schönste und Wahrste und Taurigste was ich je über eine Waschmaschine gelesen habe, und zwar von Saskia Prüß, und überhaupt nicht zu vergessen Gesine Skoerat, die eine gelassen bitterhonigliche Beschreibung des fortschreitenden Alters, ihres Alters, lieferte, und zwar jenseits jedes Brigitte-woman-journalismus.

Eine kleine Kritik zum Schluss, aber mehr als Anregung gedacht: Mehr von diesen kurzen und starken Stories.
Ich bin euer Fan…

www.laborbefund.jimdo.com
E-Mail: laborbefund2013@yahoo.de

Preis pro Ausgabe: läppische 3 Euronen



Je te salue, Frédéric Louis!
Sonntag, 14. Juli 2013, 12:43 Uhr
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Keine Anreise dauert so lang, wie der Tausch eines hinichen Modems in den Bergen. Was haben Modems in den Bergen verloren? In einem Cabinartigen Haus, wo das Duschwasser mit Holz aufgeheizt werden muss. Nun gut, wir sind angekommen. Unterwegs warfen wir, wie immer, einen Blick über den Thunersee, rüber nach Sigriswil (Foto), wo 1887 ein gewisser Frédéric Louis Sauser geboren wurde, in diesem Bauerndorf über dem See, ein Mann, den es nicht lange dort hielt und der sich, das Familiensilber in der Tasche aufmachte, berühmt, berüchtigt und verletzt zu werden. Berühmt wurde er unter dem Namen: Blaise Cendrars.

Und ich bin in der Nachbarschaft von Sigriswil ebenfalls groß geworden, und ebenfalls blieb ich dort nur so lange, wie es sein musste. Meine Familie besaß leider kein Familiensilber.

Das ist heute noch spürbar.



In den Bergen l.
Mittwoch, 10. Juli 2013, 16:45 Uhr
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Wer in die Berge fährt, muss anreisen. Auch, und sowieso, wenn man aus Wien startet. Denn hinter dem Prater beginnt die Taiga, und außer dem Kahlenberg gibts nichts bergiges, und der Kahlenberg ist einfach ein gutmütiger Oschi um den die Donau herumkurven muss. Soll sie doch.

Aber warum in die Berge? Das ist leicht zu beantworten: Weils im Sommer in den Bergen nicht heiß ist. Weils des öfteren regnet. Weils still ist. Die Luft frisch. Die Mitmenschen auf Abstand.

Gut. Wir sind am Anreisen. Stecken noch am Fuße der Voralpen fest. Stecken gerne fest. Freunde, Bier, Geschichten und Gelächter.

Morgen sind wir dann dort. “Am alten Gleis”. Hier der Link:

http://www.amaltengleis.ch

Gucken.