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Bettler-Ferien
Donnerstag, 20. Juli 2017, 12:34 Uhr
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In letzter Zeit, wenn ich, wie meistens, vom Training schwitzend die Favoritenschlucht durchwandere, von der Post über Billa zu Hofer, eine Strecke von 150 Metern, und nicht wie sonst 5 meiner 7 Liebelingsbettler antreffe, frage ich mich intensiv, ob Bettler auch Urlaub machen. Gesetzlich, von ihren Arbeitgebern ausgelobt, oder als Freelancer, sich selber beglückend, der Einsicht folgend, dass, wenn alle Urlaub machen, es nicht lohnt in der Steppenglut der fuckin’ City dem Broterwerb nachzugehen.

Was wären denn, so frage ich in aller meiner aufbringbaren Naivität, so die Lieblingsurlaubsdestinationen, der Favoritenschluchtbettler?

Oder folgen Sie ihrer Klientel in den Urlaub nach und man trifft sie vor dem Negozio in Caorle oder dem Supermarché in Sainte Marie de la mère?

Jedenfalls hier sind sie nicht mehr.
Finde ich einerseits - pekuniär - ganz gut, aber andererseits fehlen sie mir auch. Es ist jetzt einfach noch schwieriger, ein guter Mensch zu sein.

Aber es wird ja bestimmt irgendwann Herbst, obschon nichts darauf hindeutet: Cocksuckersummer!



Das Sprüchemuseum (77)
Mittwoch, 19. Juli 2017, 09:38 Uhr
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„Muss ich mich schuldig fühlen, weil ich mich wegen der Flüchtenden nicht schuldig fühle?”

Lev-André Knallbar



Die Schweiz nervt (a bissi)
Dienstag, 18. Juli 2017, 16:29 Uhr
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An die Preise in diesem Land kann man sich nicht gewöhnen: geschenkt.
Dass ich aber, um ein SBB-ticket online zu bestellen, entweder Werbeanrufe auf dem Handy zu vergegenwärtigen habe, oder sonst 1,60 Roaminggebühren pecken muss, ist sowas von fuckyoucocksuckers. Der Hammer aber ist, dass ich nicht mal die Amazonprime-Serie gucken kann, wennn ich müde vom Geld ausgeben bin. Kein Anschluss unter dieser Nummer.
Aber die Züge dem schwäbischen Meer entlang, das muss auch gesagt sein, sind großartig und so kühl, dass man gar nicht mehr aussteigen möchte. Und großartig auch die Fähre von Friedrichshafen nach Romanshorn für sagenhafte 12 Eier, also in etwa der Preis für einen Hot-Dog. Allerdings, und da muss man genau sein,  mit extra Senf.



Die Knallbar Diaries (52)
Sonntag, 16. Juli 2017, 22:21 Uhr
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Neulich brüllte ich eine maunzende Katze an, sie möge doch die Fresse halten. Was für eine Sau ich doch bin, sowas tut man nicht. Ich habe auch einen Esel, der mich genervt hat, angeschrien er möge sich umgehend verpissen, ich habe hier zu arbeiten.

Ich habe auch schon Rinder mit einem Stock geschlagen. Ich habe aber auch schon winzige Igel durch den Winter gebracht, und schwer leidende Kühe operiert. Ich habe Tauben getötet und Ratten ertränkt, Mäuse erschlagen und unzählige Mücken und Fliegen. Ich bin eben ein richtiges Arschloch. Lev-André Knallbar ist ein Arschloch. Das ist keine Neuigkeit, verzeihen Sie die Redundanz.
Stellt sich die Frage: Mag er denn keine Tiere?

Der Komiker, Schauspieler und Drehbuchautor W.C. Fields (1880-1946) sagte einmal: „Wer Kinder und Hunde nicht austehen kann, kann kein ganz schlechter Mensch sein.”

Tiere? Es ist wie bei den human beings: Als Gattung können sie mir gestohlen bleiben, aber einzelne Exemplare davon finde ich großartig.

Und jetzt los mit dem Shitstorm, ihr Pussies!



Die Knallbar Diaries (51)
Samstag, 8. Juli 2017, 18:13 Uhr
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Kann man sich vorstellen, was los wäre, wären die Verwüstungen die die Linksfaschisten in Hamburg produzierten, von Rechten begangen worden?

Wie unangenehm, für einen selber, den Unsinn, den man vor Jahren ausgestoßen hat, nun maßstabgetreu aus dem Munde der Rechtfertiger zu vernehmen. Man bekommt dabei eine Gänsehaut.

Wenn man alt wird, dämmert einem, dass alles falsch ist. Vielleicht sogar das.

Ich war auch dabei, als in den achzigern in Zürich, und auch in Basel, die Schaufensterscheiben klirrten und geplündert wurde. Ich war dabei, ohne Scheiben einzuwerfen und ohne zu plündern. Bei einem Pelzmodengeschäfteinbruch hätte ich die Kleiderbügel geklaut.

Die Geschichte wiederholt sich. Als Farce. Heißt es. Aber die Farce ist schlimmer als die Tragödie. Wusste Marx das auch?



Ring the bells! Lawrence Osborne auf Deutsch
Dienstag, 4. Juli 2017, 11:44 Uhr
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Nein. Nein. Nein.
Um ihre Beghaglichkeit zu steigern ist dieses Buch höchst ungeeignet, außer ihre Behaglichkeit ist hin und wieder dem Lesen großartiger Literatur geschuldet. Dann schon.
Schauplatz Marokko. Hier prallen der vergnügungsüchtige Westen und der ein hartes, gnadenloses Leben fristende Maghreb aufeinander. Und wer immer meint, er wisse schon alles über die einen und die anderen, könnte was erleben. Auch wer es nicht meint. Hier ist ein Autor zugange der die auktoriale Erzählweise beherrscht wie nur der Teufel selber. Er kriecht ins Innere seiner Handlungsträger, stülpt es um und hält es uns unter die Nase, wie die Innenseite schmutziger Unterwäsche.
Und wie nebenbei, schildert er uns bildmächtig die settings, dass man nie wieder etwas anderes lesen möchte.

Nichts weniger als großartig!



Summer of love 1967
Dienstag, 27. Juni 2017, 17:50 Uhr
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Der „summer of love“ war ein anständiger Sommer: Er war kurz.
Er machte uns noch nicht fertig, mit endlosen Hitzetagen und 30 Grad morgens um drei.
Der „summer of love“ war aber ein Sommer mit Nachklang, und wurde Ende der Siebziger von Johnny Rotten gründlich und zornig ausgetreten, wie der letzte Rest eines Schwelbrands.

Hier ein absolut lesenwerter Artikel von Autor und Konzertmanager Bernd Seliger, den wir, zusammen mit den Kollegen aus Augsburg, weiterempfehlen:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/monterey-pop-festival-sie-waren-jung-und-brauchten-kein-geld-15052621.html



Greg Allman 69, Denis Johnson 67 - morto
Montag, 29. Mai 2017, 11:43 Uhr
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Vertieft in den Nachruf auf Greg Allman, der vor ein paar Tagen diese Welt verlassen hat, fällt der Blick dann doch auch auf eine kleine, unscheinbare Schlagzeile daneben: US-Autor Denis Johnson gestorben.

Mit beiden verband mich einiges: Mindestens ein Band von Johnson liegt immer auf meinem Schreibtisch, und “Fillmore East” von den Allman Brothers, ist das einzige Rockalbum das ich besitze und höre. Die anderen können mir gestohlen bleiben.

Gott oder irgendwer sollte die Lebern von grossen Musikern und grossen Autoren widerstandsfähiger ausstatten. So geht das nicht. Ganz entschieden nicht.



Ein wilder Ritt
Sonntag, 14. Mai 2017, 16:16 Uhr
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Der Film -und Theaterregisseur, Übersetzer, Autor, Dramaturg und zeitweilige Kutscher von Edelkarossen, in denen er die Geldsäcke dieser Erde durch Wien karrte, Michael Grimm, hat seinen ersten Roman geschrieben. Halleluja!

Ein fuckin’ wilder Ritt, durch die Welt der Ruhmsüchtigen, Mordsüchtigen, Suchtsüchtigen und Liebhabern des gepflegten Geschlechtsverkehrs; ein Roman auch über den Liebling der österreichischen Intellektuellen, den Serienenmörder Jack Unterweger, den sie für Jean Genet hielten und noch immer nicht zugeben können, dass es doch nur ein krankes Arschloch war.

Man wird „Stirb, Ratte, stirb!” einen Roman noir nennen dürfen, aber eigentlich gehört er zu einem eigenen Genre: Er ist Grimm.
Lisez!

  • Taschenbuch: 260 Seiten
  • Verlag: TAIPAN CLASSIC; Auflage: 1 (21. März 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 395025496X
  • ISBN-13: 978-3950254969


  • Hans Frick (hr2 kultur Feature)
    Sonntag, 7. Mai 2017, 15:08 Uhr
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    Wir übernehmen heute wieder mal den Inhalt unseres befreundeten Blogs aus Dobler City und raten ebenfalls zu diesem Feature über den wichtigen, aber  fast vergessenen deutschen Schriftsteller Hans Frick:

    HANS FRICK (8)

    Heute, Hessischer Rundfunk, hr2 Kultur 18:04 Uhr

    Blaue Stunden – Auf den Spuren des Schriftstellers Hans Frick
    Ein Feature von Hanne Kulessa

    „Hans Frick wurde 1930 in Frankfurt am Main geboren. Es gibt wohl keinen anderen Frankfurter Schriftsteller, der diese Stadt so hart porträtiert hat wie der im Gallusviertel aufgewachsene „Juddebub“. Mit dreißig Jahren schrieb Frick seinen ersten Roman, in dem ein KZ-Arzt, verfolgt von Schuld und Alpträumen, versucht, einen Prozess gegen sich selbst zu erwirken. „Breinitzer oder Die andere Schuld“ erschien 1965. Frick war befreundet mit dem Hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, mit dem Philosophen Georg Lukács, mit dem Schriftsteller Erich Maria Remarque. Er, der Autodidakt, der uneheliche Sohn einer Arbeiterin, fand große Anerkennung, aber seine Lebensangst und seine Wut auf die Gesellschaft blieben. Er schrieb sich in vielen Romanen, Hörspielen, Filmen diese Angst vom Leib, trank gegen sie an, aber trotz des immensen Alkoholkonsums blieb sie seine ständige Begleiterin. “Wann werde ich abgeholt?“ Diese Frage aus der Kindheit verfolgte ihn bis zum Schluss. Hans Frick veröffentlichte 1980 sein letztes Buch „Die Flucht nach Casablanca“. Danach zog er mit seiner Frau Karin zuerst nach Portugal, dann nach Spanien, wo er 2003 starb. Das Feature von Hanne Kulessa folgt den literarischen Spuren, die Hans Frick in Frankfurt hinterlassen hat, es kommen Weggefährten zu Wort und Frick selbst mit Auszügen aus Interviews und Lesungen.“ (hr2-kultur 2016)