zum Songdog Verlag


Die Knallbar Diaries (35)
Freitag, 23. September 2016, 17:41 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Wer den heutigen Literaturbetrieb noch ernst nimmt, den kann man nicht mehr ernst nehmen. Ich jedenfalls, kanns nicht. Schon gar nicht, weil mein Roman zum Megabestseller wurde. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass ich so etwas wie der Groucho Marx des Literaturbetriebs bin: „Ich möchte nicht Mitglied in einem Club werden, der mich als Mitglied akzeptiert.“ That’s it.

Manchmal, wenn mich die Arbeit nicht auslastet, die Familie nicht genügend fordert, der Anblick meines wunderbar gefüllten Kontos mich satt gemacht hat, dann schau ich mich ein wenig im Betrieb um, spechte, was da gerade läuft.

Lese dann auch mal so rein, in die angesagten Dinger des Herbsts.

Da lese ich dann von einem der Sprachkünstlergiganten, für den ein notgeiler Kritikus extra, mit Gebührengeldern ausgestattet, nach L.A. fliegt. Für ein Interview. Er tat das, schätze ich, um sich an uns zu rächen, um uns zu verhöhnen. „Hey, ihr Arschgeigen, seht mal her, was ich mit eurer Kohle mache: Ich flieg nach L.A., nur um diesen Autor zu interviewen. Könnte ich auch in Köln, aber ist ja nicht mein Geld. Ihr zahlt.”

Und das ist auch gut so. Denn dieser Autor hat ein wunderbares Buch geschrieben. Man kann da zum Beispiel lesen, dass ein Mann, der gerade Sepuko begeht, sich ein scharfes Messer in den Bauch schiebt und es vorschriftsmäßig herumdreht „vor Schmerz stöhnt.“
Das ist natürlich DIE Überraschung, dass der Mann, ein japanischer Offizier, vor „Schmerz stöhnt“. Gut, dass der Autor, das so eindeutig zugeordnet hat, dass es der „Schmerz“ ist, weswegen er stöhnt, und nicht etwa die Entdeckung, dass sich etwas Sand an seinen Pantoffeln befand, und er deswegen vielleicht das Parkett zerkratzt hat.

Tja, und so geht’s 240 oderso Seiten weiter.

Ich habs dann bald weggelegt, bin unter die Dusche gegangen und habe dort, auf meinem wasserdichten iPad, die schönen, wahren und (hoffentlich) ewigen Zahlen meines Kontos studiert. Das war schön. Und das wars dann wieder mit dem Literaturbetrieb.
Für eine lange, lange Zeit.



Die Knallbar Diaries (34)
Sonntag, 18. September 2016, 11:50 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Verleger Moss ruft an, besser gesagt: er stört an. Er möchte, dass ich mit ihm essen gehe, sagt, er hat die Bude voller kichernder, kreischender, quiekender „Teeniegören“, und er hält es nicht aus, sacht er, dass er neben der Betreuung von Dichtern, Autoren und anderem schreibenden Randstand, auch noch die Freundinnen seiner Tochter aushalten soll. Na gut, ich will nicht schofel sein, und sage zu. Ich meine, der Mann hat Töchter! Ich habe Söhne, und bin damit etwas im Vorteil. Will sagen, habe einen akustischen Vorteil. Die Emissionen der Jungs sind besser zu ertragen, weil da kaum was kommt.

Also gehn wir essen. Gleich um die Ecke. Kleines, neues Lokal. Fast primitive Einrichtung, schlicht, klar, und reduziert aufs Maximum, wie die beste Knallbar Prosa. Genau so muss es sein. Das Essen ebenso. Kein Schnickschnack, schnörkellos, beste Zutaten, nicht überkocht. Guter Weißwein. Moss ist angetan. Kippt schnell hintereinander 4 Gspritzte. Er entspannt sichtlich, reißt an seinem Gürtel, öffnet die Hose, was mir ein wenig Angst macht. Holt er ihn jetzt raus? Natürlich nicht. Er hat nur ein paar Pfund zugelegt. Er weiß es, und schiebt es auf den Stress.
„Mensch Knallbar, du hast es gut“, sagt er und ein gewaltiger Seufzer entströmt der Lücke in seinem gepflegten Bart. Ich warte auf das, was noch kommen soll, aber es kommt nicht. Scheint ihm zu genügen, dass ich es gut habe. Mir solls recht sein, aber dann, nach einer minutenlangen Pause, kommt dann doch noch was.
„Diese Oasch-Dichter-Autoren-Literaten san wie die Kinder.“
Ich schenke ihm einer meiner “jetzt-aber-mal-sachte-Kumpel-Blicke”, er checkt’s und fährt fort: „Du natürlich nicht, Lev, du nicht. Du gehörst zu der raren Gattung der erwachsoiden Autoren. Aber die anderen, die machen mich fettig.“
„Fettig?“, sach ich.
„Jawohl, fettig“, wiederholt er. „Sigstessjo.“ Er klascht mit der Hand auf seinen Ranzen.
Dann, während wir ein wahres Hammertatar verzehren, erzählt er mir Autorenschwänke aus seinem bewegten Verlegerleben. Schwänke sind es für mich, für ihn ist es scharfer Nervenraspel.

Ich höre ihm halb zu, und denke mir, dass doch fast alle Menschen wie Kinder sind, nicht nur wir, die Tipper. Laut, unverständig, egoistisch, unwissend und nur das schon Bekannte akzeptierend. Man sollte ihnen, wo es nur geht, aus dem Weg gehen. Aber das sage ich ihm nicht, denn er sieht nun gerade so zufrieden aus, so rosig und freundlich wie ein sattes Kind.
Ja, da sitzen wir nun. Die Welt ist scheiße, und uns geht’s gerade gut. Ich denke an Doktor Faust, der den Augenblick festhalten wollte, und weiß, dass wir das alle tun wollen. Und dann denke ich, dass dies zu wissen nicht tröstlich ist, aber darüber schreiben schon. Und bereits habe ich wieder einen Vorteil Moss gegenüber. Sag ich ihm auch nicht, dafür begleiche ich die Rechnung. Das macht ihn noch zufriedener und rosiger.
Schön und einfach, nicht wahr?



Die Knallbar Diaries (33)
Mittwoch, 14. September 2016, 20:35 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Auf dem Weg zur Schwangerschaftsgymnastik sah ich etwas kurioses. Strange. Irgendwie sehr komisch, aber auch bedenklich, und es hätte schlimm ausgehen können. Auch für mich.
Beim Hauptbahnhof gibt es eine fette Kreuzung, ein paar Spuren, unterbrochene Fahrbahnen, Ampeln und so weiter. Kommt ein Blinder des Wegs. Mit Blindenhund. Bei Grün läuft er los. Der Blindehund ist ein Arschloch oder er will sich für irgendwas rächen. Oder er ist auch blind. Oder ich weiß nicht. Jedenfalls geht er links so nahe an einer Ampel vorbei, dass der blinde Mann, der etwa einen halben Meter hinter ihm hergeht, voll in die Ampel bumst. Crash! Fällt hin. Brille liegt auf der Fahrbahn. Der Mann auch. Der Hund, jetzt frei, hockt sich hin, blickt in die Gegend, als ginge ihn das alles nichts an.

Okay, es war komisch. Ich habe gelacht. So ganz kurz nur. Aber schon. Dann bin ich natürlich hin. Inzwischen ham die Autos grün. Ich zerre den Blinden auf die Fußgängerinsel. Die Wagen hupen, und pfeifen an meinem Arsch vorbei. Fühl mich ein wenig wie ein verdammter Held. Nur so ein bisschen. Knallbar der Hero! Helfe dem Blinden auf die Beine. Der Hund kommt angetrottet. Hatte der ‘n Blackout? Der Mann hat ne Beule über dem rechten Auge. Die Brille ist noch heil. Ich übergebe sie ihm und frage, ob alles okay ist, und ob ich den Hund erschießen soll.
Is nur n’ Witz, füge ich hinzu. Jou, sagte der Blinde, aber vielleicht sollten Sie es tun. Klar, sag ich, hol nur schnell meine Flinte, warten Sie solange.

Er ging dann seiner Wege und ich auch. Dann dachte ich an Hemingway und stellte ihn mir als gewöhnlichen Autofahrer vor, aber ich kriegte das Bild nicht zusammen. Hatte der überhaupt Führerschein? Ich erinnerte mich an Bilder von ihm im Jeep. Auf der Beifahrerseite. Mit Brille und Notizblock. Bei der Befreiung von Paris.
Oder Safari. Ich denke, Hemingway fuhr nicht. Der flog oder ging zu Fuß. Oder Pferd. Und vor allem Boot.
Er hätte mir heute also nicht den Arsch abgefahren, als ich gerade ein Held war. Außer, er hätte Jagd auf dumme Hunde gemacht. Dann vielleicht schon. Aber sonst eher nicht…



„Defekte Leimspur“ Sabotage? die Zweite…
Montag, 12. September 2016, 16:44 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Der Schuldige für die Verschiebung der Bundespräsidentenwahl ist gefunden.
Raten Sie!—— Es war der …-Leim.
Es gibt in Österreich drei- vier patente Schuldige, die immer wieder herangezogen werden können. Sie passen für alles.

- Der Deutsche, Deutschland, die Deutschen.

- Der Amerikaner, USA, die Amis.

-Die USA-Ostküste (wer sich auskennt, kennt den Code)

-Niemand. Schon gar nicht irgendwas österreichisches.

Also: Welcher Leim war’s?
Der deutsche war’s. Der deutsche Leim ist schuld.

Oder wars, gar am End, doch die österreichische Schleimspur?



„Leimspur defekt“ Sabotage?
Freitag, 9. September 2016, 16:29 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Wie uns eben aus unzuverlässiger Quelle zugetragen wurde, soll die „defekte Leimspur“, die bei einigen Briefwahlkuverts für die Stichwahl des österreichischen Bundespräsidenten dafür verantwortlich ist, dass die Klebestellen wieder aufgehen, auf die Beimengung einer Substanz in den Kleber, möglicherweise Natriumbikarbonat, zurückzuführen sein.

Es wird vermutet, dass Angestellte der Druckerei - FPÖ-Anhänger? - etwas damit zu tun haben. Das wäre nicht unlogisch, denn die FPÖ lehnt die Briefwahl ab, da viele FPÖ-Wähler mit dem Ausfüllen einer Briefwahlkarte bekanntlich leicht zu überfordern sind, und so wird schon wieder der Ruf von Seiten der Partei laut, die Briefwahl endlich, und ganz besonders für diese Wahl, abzuschaffen.

Wir werden weiter informieren…



Die Knallbar Diaries (32)
Sonntag, 4. September 2016, 15:20 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Supermarkt-Monologe gehören, laut meinem Verleger, zum “richtigen Leben“ dazu. Aber da ich mir mein Essen (und das meiner Familie, wenn sie denn will), aus dem Haubenlokal kommen lass, komm ich damit nicht so oft in Berührung. Das ist schön. Schön ist auch, dass ich mich nicht um Tagespolitik kümmere. Denn dies sind ebenfalls Supermarkt-Monologe, in denen nicht die gemeine Feldgurke zum Thema gemacht wird, sondern etwas ähnliches: Der Mensch und die Haute volée.

Aber ich lebe lange genug um zu wissen, wie dieses Land tickt: Überall Vorschriften, die unmöglich einzuhalten sind und die darum niemand einhält und nur irgendwie interpretiert, was dazu führt, dass niemand ganz legal ist und/oder handelt. Bis dann mal jemand die Vorschriften zückt und auf Einhaltung besteht. Das ist nicht nur bei BUndespräsidentenwahlen so, sondern eigentlich überall. Hat den Vorteil, dass man bei Bedarf alle bei den Eiern hat, wenn mans braucht. Das muss man kapiert haben, und dann braucht man keine Meinung mehr zur Tagespolitik. Meine Meinung.

Letzthin hat der eine Kandidat für den Präsidentenpalast öffentlich eine feine Einteilung des Wahlvolkes vorgenommen. Für ihn gibt es „Menschen“ und „Haute volée“. Man könnte meinen, er sei einer jener Tiroler, für die es nur Tiroler oder Arschlöcher gibt. Er ist, meines Wissens, kein Tiroler. Ich nehme an, dass er sich für „einen Menschen“ hält.
Ich jedenfalls, Lev-André Knallbar, ich bin „Haute volée“. Ich war schon Haute volée, als ich noch auf der Straße schlief und nichts zu fressen hatte, in Bibliotheken rumhing und las was die Regale hergaben. Und anders als viele „Menschen“ lag ich nicht der Allgemeinheit auf der Tasche, sondern nahm jeden Job an, der sich anbot. Egal, was es war. So habe ich meinen Charakter gestärkt und meine Fähigkeiten ausgebaut. Und heute bin ich Knallbar, der Bestsellerautor. Ein Mann, der noch unter der Dusche sein Kontostand checkt, so wie er früher unter der Dusche geraucht hat.

Haute volée. Menschen.
Ich habe Moss angerufen und ihm gesagt, dass ich T-Shirts mit der Aufschrift „Haute volée“ drucken lassen will, aber er hat gemeint, ob ich denn jetzt ne weiche Birne hätte, und ob man mich nicht ein einziges Mal in den Supermarkt lassen darf, ohne dass mein Geist zu Schaden komme?
Ich denke, er hat Recht.
Vielleicht werde ich T-Shirts mit der Aufschrift „Mensch“ drucken lassen…



Die Knallbar Diaries (31)
Samstag, 3. September 2016, 12:33 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

„Das ist keine Feldgurke. Ich habe mich beschwert und sie haben gesagt, es sei Feldgurkensamen. Feldgurkensamen!! Ich bin neunzig Jahre alt, aber das ist keine Feldgurke. Eine Feldgurke hat auf einer Seite eine Fläche, weil sie auf der Seite auf dem Feld gelegen ist. Aber die haben keine. Ich bin neunzig jahre alt, und so bescheißen sie uns. So bescheißen die uns. Ich bin neunzig und das ist keine Feldgurke…”

Solche Dinge widerfahren dem alten Knallbar, wenn er sich für einmal sein Essen nicht aus dem Hauben-Restaurant bringen lässt, sondern leibhaftig in den Supermarkt wandert und sich dort umsieht. Von wegen Moss’ Diktum, dass ich “ein reicher, verwöhnter  Autor sei, der vom richtigen Leben keine Ahnung hat“.
Ich meine, wenn diese Supermarkt-Monologe zum richtigen Leben gehören, wer möchte dann etwas mit diesem richtigen Leben zu tun haben? Ich jedenfalls nicht.

Nun, die Sache mit der Feldgurke ging noch halbwegs gut aus.
Da ich für gewöhnlich die Mitmenschen in drei Kategorien einteile, in : Triple A - Knallbarleser, Double A - potentielle Knallbarleser, und TripleX-Knallbarnichtleser, hätte ich eigentlich keine Mühe haben müssen, mich der Situation durch eine rasche Drehung meines Einkaufswagens zu entziehen. Theoretisch. Aber je älter ich werde, desto mehr kommt mir meine gute Scheißerziehung in die Quere, die es mir schwer macht, das zu tun, was in einem solchen Fall angebracht wäre: sofort Knallbarleserfaktor checken, und danach angemessen reagieren.
Die Gurkenlady war sicher den Triple- X-en zuzurechnen, also: Ignorieren und seiner Wege gehen. Aber wie gesagt: Scheißguteerziehung. Ich behandelte die Feldgurkengreisin wie ein Double-A, wenn nicht gar Triple A, und wandelte den schroffen, schoflen Abgang in einen verzögerten streichelweichen Emo-Schongang ab, der vorschreibt, ein paar freundliche Worte an die Person zu richten und erst dann abzuzischen. War hart.

Wann endlich kann Knallbar wieder der Drecksack sein, der er eigentlich ist? What’s happen to his image? Wenn das jemand sieht?
Man muss sich ja schämen…



Die Knallbar Diaries (30)
Dienstag, 30. August 2016, 18:08 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Verleger Moss hat sich gemeldet. Eben zurück aus Italien. Er meinte, dass er sich und seiner Familie endlich einmal einen Urlaub gegönnt habe. Er klang nicht froh oder ausgeruht oder vergnügt. Er klang irgendwie zerknirscht und machte mir Lust, diese Zerknirschung noch zu steigern.
„Was machstn Urlaub, du als Verleger. Ihr habt doch immer Urlaub.“
„Ach, halt die Pappen, Knallbar. Was weißt du schon? Ein alleinstehnder, verwöhnter, reicher Autor…“
„Entschuldige mal, Moss: Ich bin nicht alleinstehend. Ich habe Familie, wie du.“
„Ja. Aber dir merkt man das nicht an. Bei dir hat man immer das Gefühl, dass du Single bist…“
„Das Ergebnis perfekter Partnerwahl“, sagte ich. „Also Augen auf, beim Heiratsantrag.“
„Du hast gut reden…”
Er klang wirklich bedrückt.
„Isses was ernstes?“, fragte ich.
„Ach nee, der übliche Familienblues. Da liegen dir Frau und Kinder jahrelang in den Ohren: „Wir machen nie gemeinsam Urlaub. Nie. Immer arbeitest du, hast nie Zeit für uns… und so weiter. Und dann steigst darauf ein, buchst ein tolles 4 Sterne Hotel, direkt am Strand, und dann jammern sie die ganze Zeit darüber, dass das Essen nicht gut sei, der Strand zu sandig, die Palmen Krebs haben, die Kellner aufdringlich sind, der Zimmerservice unzuverlässig, der Wind zu stark und … dass oben in der Dusche ein winziges Spinnennetz hängt und man deswegen nicht duschen kann. Verstehst du?“
„Theoretisch“, sagte ich, „rein theoretisch. Aber als Autor bin ich ein Empathieprofi. Also, raus damit!“
„Was raus?“
„Na, erleichterte dein schwarzes, gieriges Verlegerherz…“
„Mehr war nicht:“
„Mehr war nicht? Und deswegen so ein Gejammere?“
„Du bist zwar Autor, Knallbar, aber du hast doch keine Ahnung vom Leben. Vom richtige Leben, mein ich.“
„Und das soll das richtige Leben sein, Moss? Schwulitäten mit Frau und Kindern? Grundgütiger. Jetzt mach ich mir aber wirklich Sorgen.“
„Brauchst nicht. Ich hab dich nur verarscht. Der Filmvertrag ist gemacht und heute kam eine Optionsanfrage für ein Opernlibretto. P.T. möchts gern schreiben.“
„P.T.? Schreibt der jetzt auch Librettos…“
„Libretti.“
„Weiß ich doch, Moss, wollt nur testen, ob du’s auch weißt.“
„Weiß ich.
„Ich weiß.”

War schön, einen wie Moss zum Verleger zu haben.
Ich drückte ihn freundlich weg und ging unter die Dusche. Mit meinem wasserdichten iPad, und sah zärtlich und lange auf meinen Kontostand und fragte mich, wieviel so ein Libretto und so, wohl bringen würd…



Die Knallbar Diaries (29)
Montag, 29. August 2016, 15:02 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Allenthalben (eines meiner neuen Lieblingsworte, das ich, wo immer es geht, anzubringen pflege) lasse ich mich in die Niederungen der Tagespolitik herab; mit anderen Worten: Ich lese etwas Zeitung.

Heute las ich zum Beispiel, dass nur etwa dreißig Prozent der Österreicher das demokratische System gut finden. Nun denn: 7 von 10 Zeitgenossen haben ein Problem mit der Demokratie. Ich, der Knallbar Lev-André, übrigens auch. Die ca. 70% beklagen sich darüber, dass sie nicht genug mitreden können, dass sie nicht gefragt werden. Sie möchten, dass Demokratie die uneingeschränkte Herrschaft der Mehrheit über die MInderheit ist. Ohne Wenn und Aber. Ohne Minderheitenschutz, ohne vierte Staatsgewalt, am Besten ohne Rechtsstaat (außer es geht darum, als 32-jähriger Beamter die Hacklerpension vor Gericht durchzusetzen). Dann schon, bitte sehr.

Und dies ist so in etwa der Grund, warum ich ein Problem mit der Demokratie habe: Jeder Semihirsch, der per Tastendruck in Sekundenschnelle eine neue App auf sein Gehirnsurrogat applizieren kann, denkt, dass Politik genauso funktionieren muss. Klicken, bestellen, zahlen (oder zurückschicken), und schon klingelt der Bote und streckt dir die dreiviertelhose, made in Bangladesh, entgegen.

Und deswegen bin ich Monarchist.
Wenn jede/r mitmachen kann, macht Demokratie keinen Sinn. Her mit der Demokratiebefähigungsprüfung! Und das ist der Moment, wo die Allerdümmsten: Schweiz! Aber die Schweiz!!, rufen.

Ja, die Schweiz. Mehr als hundert Jahre Erfahrung und Praxis haben die Bürger dazu gebracht, die Pappn zu halten, wenn man nichts versteht. Heißt: Stimmbeteilung so um die 40 %. Und das ist gut so. Die Semihirsche meckern und jammern und bleiben zuhause. Wie es sich gehört.

Außerdem, sollen die Meckerer mal die Fresse halten. Egal, was für sie getan wird, es wird nie genug sein. Das ist eine der Erkenntnisse, die einem den Becher mit den süßen Vanille-Whey-Proteinen, ziemlich schal werden lässt .

Ich wünsch mir eine Monarchin. Schön, klug, ausdauernd, gebildet, gelassen und sehr, sehr streng. Vor allem mit den Demokratieverabscheuenden.
Und mir…



Die Knallbar Diaries (28)
Samstag, 27. August 2016, 15:31 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein

Heute zum Thema: How to kill a smartphone addict oder Wie Smartholes meine Freiheit einschränken.

Als Lev-André Knallbar beansprucht man für sich gewisse Privilegien. Einige davon hab ich schon für mich beansprucht, als ich nur der Lev war, ein halbwegs anständig gescheiterter Autor, nämlich jenes, bei Rot über die Straße zu hirschen, zu schlendern, zu flanieren, zu sprinten, ganz wie es die Situation erforderte.

Dieses Privileg, liebe Freunde, Feinde und Gleichgültige, ist nun in Gefahr. Und sowas hasse ich. Privilegien sind das Salz in der VIP-suppe, sind der Gin im Tonic des Gescheiterten, kurz: Privilegien müssen sein. Für jeden und jede.

Als ich neulich, auf dem Weg in die Schwangerschaftsgymnastik, den Ampelcluster am Gürtel in Angriff nahm, und Lust verspürte, etwas Risiko zu nehmen, was heißt, so zu tun, als gäbe es keine Ampeln, und schon mal vor dem Kühler eines Autos durchzuzischen, bemerkte ich, dass man daran arbeitete mir dieses Privileg streitig zu machen. Und zwar: Exemplare dieser Smartholes, diese Smartphon addicts, die ihre hässlichen Rüssel nie wieder aus dem Display entfernen wollen.
Denn einer dieser Handywappler folgte, sozusagen im Blindflug, meinem geschwinden Schritt in die Fahrbahn, annehmend dass wohl grün sei. Um es kurz zu machen: Er entkam knapp dem Kotflügel eines schwarzen BMW’s, eines coolen schwarzen BMW’s, dessen Fahrer nicht mal auf die Hupe gehämmert hat.

Also: so muss es ja nicht immer ausgehen. Und wenn Sie mal Lust verspüren ein Smarthole fertig zu machen, wissen Sie ja jetzt wie’s geht. Man braucht dazu nur eine Kreuzung und eine rote Fußgängerampel.

Das ist die eine, die etwas rachlüsterne Seite. Die andere Seite wird dominiert von meiner christlichen Erziehung. Muss ich jetzt, um meine depperten Mitmenschen nicht umzubringen, auf meine Freiheit verzichten? Das Wort Kains paraphrasierend: „Bin ich denn der Smartholes Hüter?”

Urteilen Sie selber.
Ich hab’s schon.