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Partyservie
Dienstag, 10. Dezember 2019, 17:42 Uhr
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Es ist schon ein paar Jahre her, da sagte der inzwischen von uns gegangene Filmessayist Peter Liechti zu mir: “Ich bin noch einer der ganz wenigen in der Schweizer Filmszene, der keinen begüterten Background hat. Sonst? Alles KInder von reichen Eltern.”

Ein junger Journalist schrieb neulich etwas ähnliches im „Spiegel“, nämlich, dass nur es nur noch Privilegierten möglich sei, die Journalistenschule zu meistern, sprich, ein Leben zu finanzieren, dass dies möglich macht. Sein Fazit: Nur noch Reiche berichten.

Ein anderer Freund, auch aus der Filmbranche, singt den gleichen Song: Fast nur noch fett Begüterte am Werk.

In den Stadttheatern? Ist anzunehmen, dass es sich dort nicht wirklich anders verhält.

Und alle sind links. Wobei sich das Linkssein darauf beschränkt, allen anderen zu diktieren was diese zu tun, zu sagen, zu denken haben.

Eine Art arroganter Partyservice.

Und schon Jörg Fauser hat vor Jahrzehnten gewusst was Sache ist. Damals noch im Konjunktiv.

“Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind, kann sie gleich als Partyservice anheuern.”

„Bern ist überall“ nennt sich eine Schweizer Autorengruppe. Ich halte dies für eine gefährliche Drohung.

Die Kunst? Wer sich über den nichtssagenden, langweiligen und von verklemmten Schuldgefühlen dominierten Kunsthochschulausschuss informieren will, kann einen Galerienschaufensterbummel in der Schleifmühlgasse in Wien machen.

Und wie schon der als rechts diffamierte Jan Fleischhauer richtig bemerkte: Ein Künstler aus Ghana ist nicht der „Fremde“. Sondern der Einheimische vom Stadtrand.

Alles Partyservice? Noch nicht ganz. Es sind noch einige Struggler am Werk. Vielleicht sollte man die unterstützen. Ist nur so ein Gedanke …



„Westhure”
Samstag, 7. Dezember 2019, 18:53 Uhr
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Dass ein schmörer alter Kitschtrotzkopf den Literaturnobelpreis kriegt, muss man nicht beweinen. Geschenkt.

Aber ich möchte nicht vom Platz gehen, ohne auf den Kommentar von Andreas Breitenstein in der NZZ hinzuweisen.

https://www.nzz.ch/meinung/peter-handkes-serbien-die-stunde-der-falschen-empfindung-ld.1525766

Auch möchte ich es nicht verabsäumen auf den Grund meines einzigen Leserbriefes, den ich in Wien verfasst und abgeschickt habe, zu verweisen.
Der Scheiß den die Kretzen aus Griffen da von sich gegeben hat, war einfach unerträglich:

An einem freien serbischen Geist war er (Handke) nie interessiert. Entsprechend passt es ins Bild, dass er 2007 in der Wiener Zeitschrift «Profil» die regimekritische Dramatikerin Biljana Srbljanović, die an die serbischen Opfer des Milošević-Regimes erinnerte und sich seinen Feldzug für «das serbische Volk» verbat, als «Westhure» verunglimpfte.



Das muss sein
Montag, 2. Dezember 2019, 11:16 Uhr
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Was ich lese
Mittwoch, 27. November 2019, 17:21 Uhr
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Seit Jahren lese ich meistens frühmorgens im Gym. Auf dem Fahrradergometer. Bester Leseplatz, ever. Obschon ich da allerhöchstens eine Stunde bin, habe ich einige Bücher von Pohrt gelesen, das neue, Klassebuch von Klaus Bittermann, den „Schuss ins Blaue“ von Dobler, und einiges mehr.

Neulich habe ich gelesen, dass K.Passig für sich auch den Lese-Ergometer entdeckt hat. Und es supi findet. Aber davon wollte ich eigentlich nicht reden. Sondern von dem Buch, das ich gerade radfahrend lese.

Es heißt: Zurück aufs Eis, und ist geschrieben von Susann Klossek und Hartmuth Malorny. Untertitel: Wie man keinen Roman schreibt.

Eigentlich (schon wieder eigentlich?) möchte man einwenden, doch, genauso schreibt man einen Roman!
Worum geht’s? Schwer zu sagen. Susann und Hartmuth wollen zusammen einen Romanillo schreiben. Und so schicken sie einander abwechselnd Ideen usw. zu, die der jeweils andere ausbaut, verwirft, kommentiert, erweitert, ablehnt, sich darüber lustig macht. Sie tauschen Invektiven und prahlen mit ihrer Weltkenntnis, denn beide sind weit gereist, vor allem in Länder, in die ich niemals einen Fuss setzen würde, Länder in denen es immer heiß, feucht, überfüllt und lärmig ist. Also Asien, z.B.

Nun, Susann Klossek, die eben ihr grossartiges Buch „Varanasi“ rausgegeben hat, war und ist mir bekannt, und Garant für fetzige Texte, ob in Gedichtform, Prosa oder in ihrem Blog (Blogroll). Malorny kannte ich nicht. Jetzt lern ich ihn kennen. Zumindest sein schriftliches Ego.

Ich kann nur sagen, dass ich mich des Morgens auf den Ergometer freue, denn das Buch ist wunderbar humorig, witzig, klug, druchdrungen von persönlicher Erfahrung, eingängig und weise. Beste Unterhaltung im besten Netflix-Serien-Stil.

Lisez, frères et soeurs, lisez ce livre!



Reminder für 22. Nov.2019
Donnerstag, 21. November 2019, 10:32 Uhr
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Frühes Aus für “Brüllen und nölen”
Freitag, 15. November 2019, 18:27 Uhr
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Aus für „Brüllen und nölen“ vulgo „Skylines“.
Netflix hat die Serie nicht verlängert, es gibt keine zweite Staffel.
Der „Spiegel“ war ja „voll des Lobes“ für die Serie:

“Unten im Studiokeller wird gekifft und an den Beats geschraubt, in den oberen Stockwerken werden Geschäfte gemacht: Plakativ, aber plausibel …”

Exactement. Vor allem die letzten drei Worte.

Und trotzdem geht’s nicht weiter.

Aber es ist ja nicht Schluss mit „Brüllen und nölen“. Schalten sie einfach eine andere deutsche Produktion auf. Egal welche. Brüllen und nölen ist immer dabei.

Beaucoup de plaisir, et n’oubliez pas les Ohropax!

siehe auch: http://songdog.at/blog/?p=14365



Eins für die Raucher
Donnerstag, 14. November 2019, 13:11 Uhr
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Es ist einfach eine Zumutung, dass man heutztage Rauchern verweigert Schuhe und Jacken zu erwerben. Gehen sie ins Beisl und wollen eine rauchen, müssen sie nach draußen, und dort vor der Tür zittern, schlottern und sich den „Arsch abfrieren“. Da werden sie sterbenskrank, kriegen Lungenentzündungen und vermutlich auch Kältekrebs. Und schreiben dann himmeltraurige, erschütternde kleine Berichte und Kolumnen und all son Zeuch deswegen.

Man sollte ihnen, finde ich, nicht vor dem Erwerb von Jacken und Schuhen stehen. Das ist einfach nicht fair. Wirklich nicht.



Bad Ass
Dienstag, 12. November 2019, 10:48 Uhr
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Heute morgen hatte ich wieder mal das Vergnügen von einem Radfahrer angefahren zu werden. Natürlich auf dem Gehsteig, wo er mit geschätzten 20km/h die abfallende Favoriten runterpeste. Er hatte damit gerechnet, dass ich einen halben Schritt zur Seite machen würde, was ich aber nicht tat. Schulter gegen Schulter. 70 kg mit 20km/h gegen 115kg (vermutlich mehr) mit 4 km/h. Es zerlegte den Burschen ganz ordentlich und er landete auf einem zufällig freien Parkplatz, rappelte sich auf und ging auf mich los. No na. Er war ja Radfahrer und somit im Recht, denn Radfahrer und im Recht sein, gilt als Axiom.
Ich hielt einfach seine Arme fest und erklärte den Umstehenden, dass ich, ein „harmloser” Fußgänger, auf dem Gehsteig von einem Radfahrer angefahren wurde. Ich sagte der formhalber, dass ich die Cops rufen wolle, was ich  natürlich nicht wollte. Mir fehlt die Zeit, für solche Albernheiten. Dann mischten sich gleich ein paar Umstehende ein, und der Radi jammerte ihnen was über die pösen Autofahrer vor. Deswegen müsse er auf dem Gehsteig fahren. Das explizierte er, während gezählte fünf Radfahrer vorbeifuhren. Auf der Straße. Zusammen mit den pösen Autos.

Dann hatte ich genug, ließ sie allein und ging dann in den Hofer einkaufen.

Ja. Ich hätte ausweichen können. Aber ich wollte nicht. Ich bin böse. Und Fußgänger. Und als dieser betrachte ich den Gehsteig irgendwie als mein Territorium. Ich sage nie was zu einem Radfahrer der auf dem Gehsteig fährt, aber ich weiche auch nicht aus. Das ist mein Bad-Ass-Deal.

Das erstaunlichste war, dass ein beschleunigter menschlicher Körper gegen meine Schulter prallte und es mir vorkam, als hätte meine Tochter einen Fußball dagegen geworfen. Meine großartige fuckin’ Bad-Ass-Schulter.

Ich denke, der Radi hat heute etwas gelernt.

P.S. Und da wir ohne Zweifel auf einen Bürgerkrieg zusteuern: Ich bin auf der Seite der Fußgänger.

So jetzt: Shitstorm, please!



Vorankündigung für 22.Nov.
Freitag, 8. November 2019, 10:26 Uhr
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Gute Philosophen
Mittwoch, 6. November 2019, 12:03 Uhr
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Einer der großen Philosophen der Jetztzeit ist/war Carlo Pedersoli alias Bud Spencer. Gibt es einen besseren Ratschlag als sein berühmtes „futtetènne“, was soviel wie „Scheiß drauf“ bedeutet?

Oft kommen die Dinger aus Ecken, die man nicht im Blick hat. Die erst kürzlich verstorbene letzte Grande Dame des Wiener Bürgertums, die Schauspielerin, Freundin Adornos und Ausrichterin des weltberühmten Opernballs, Lotte Tobisch, meinte einmal: “Ich hab immer gesagt, Opernball muss man ernsthaft machen, aber nicht ganz ernst nehmen.”

Das scheint mir brauchbar zu sein. Ich sehe es genauso. Ich musste eigentlich nur den „Opernball” durch etwas anderes ersetzen.

Gute Philos!
Bravo!