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Wieder mal Boxen…
Sonntag, 10. September 2017, 17:23 Uhr
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“Nach dem Boxkampf erklärte Ex-Champ Henry Maske dem Publikum den Fight, den es gerade gesehen hatte. Was hatte es gesehen? Es hatte einen vorwärtsdrängenden, unermüdlich Aufwärtshaken schlagenden und nie zurückweichenden Firat Arslan gesehen, der den amtierenden Weltmeister im Cruisergewicht, Marco Huck, bereits in der 3. Runde beeindruckt hatte und der für uns, das Publikum, nach 12 Runden als der klare Sieger feststand. Aber wir sahen es falsch. Denn obschon Arslan, so Maske, wie der sichere Sieger aussah, konnte er nicht der Sieger sein, denn wir, das Publikum, verstünden das Boxen – leider,leider – nicht richtig. Nun ja, da war vielleicht etwas dran. Denn wir hatten ja nicht normales Boxen gesehen, jenes Boxen, wo der gewinnt, der mehr Treffer landet, sich besser verteidigt und den Kampf „macht“, sprich: dominiert, sondern wir sahen ARD-Sauerland-Boxen. Und da kann nicht sein, was nicht sein darf.”

Das ist ein Text von 2011.

Und nun durfte ich gestern fürwahr das Ende der verschiedenen Fernsehboxer, wie Abraham, Huck und Konsorten erleben. Die Ära ist seit gestern Nacht endgültig vorbei. Und endlich dämmerte es auch den verehrten Kollegen, dass sie jahrelang nur Scheiße auf den Partyschnittchen hatten und sie für Gänseleberpastete hielten, halten mussten.
Glückwunsch!

http://www.spiegel.de/sport/sonst/marco-huck-das-ende-der-generation-plastiktuete-a-1166982.html



On the road V.
Samstag, 9. September 2017, 11:11 Uhr
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Jack sah den Kleinen an der Reling stehen, und er musste den Blick abwenden. Er konnte nicht ertragen, Kinder an Orten zu sehen, wo die Möglichkeit bestand, dass sie hinunterfallen könnten. Er wusste nicht, woher das kam. Bei ihm löste Höhe den Wunsch aus zu springen, was ihn schwindeln machte. Außer auf Schiffen. Da machte es ihm nichts aus, denn er war mal Turmspringer gewesen. Aber bei kleinen Kindern machte es ihm schon etwas aus, und das Mini-Arschloch bekletterte bereits die Relingstangen. Wo, zum Teufel, war der Arschlochvater? Die Arschlochmutti?

Der Kleine schien allein zu sein, was nicht möglich war. Kleine, weiße, blonde Kinder waren nicht allein auf Fähren.

Der Moment, in dem Kleine die oberste Stange der Reling erreicht und das Gleichgewicht verlor, verpasste Jack, da er gerade nach einer Möwe griff, die auf Erkundungsflug vor seinem Gesicht durchzog und ihn frech angrinste. Ein Aufschrei ging durch die Menge am Heck und alle eilten zur Reling um nach dem KInd zu sehen, das 10 Meter tief ins Meer gefallen war. Ein Held neben ihm streifte die Schuhe ab, kletterte auf die Reling und sprang. Er schlug im unteren Deck auf der Reling auf, da er in seinem Eifer nicht an die Fahrtgeschwindigkeit des Schiffes gedacht hatte und zu kurz sprang. Es war schrecklich. Das Geräusch das es machte, als er auf der Stange auftraf und dann, bewusstlos geworden, wie eine Riesenpuppe ins Meer fiel.

Jack erfuhr später, dass der Held ertrunken war, aber der Kleine gerettet wurde.
Jack verbrachte eine lange Zeit auf dem Schiffsklo und kotzte sich die Seele aus dem Leib.



On the road IV.
Freitag, 1. September 2017, 15:13 Uhr
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Nach zwei mühseligen Tagen, an denen er nicht recht weiterkam, landete Jack bei einem Studenten, der ihn einlud bei ihm zu übernachten. Es wurde ein mittleres Desaster. In der Nacht weckte der Student Jack und wollte, dass er sich duschte. Jack verrannte sich in den Gedanken, dass der Junge Unkeusches vor hatte, wie jener Grieche, der auch unbedingt wollte, dass Jack duschte, und als er es tat - mit einem Schlauch im Hof - stand der Grieche am Fenster und wedelte sich einen von der Palme. Jack hatte den Studenten ebenfalls in Verdacht, weigerte sich standhaft und verzog sich, als der Student nicht lockerließ, mit dem Schlafsack auf den winzigen Balkon.
Erst Tage später kam ihm errötend der Gedanke, dass der Student nur seinen verdammten Körpergestank nicht ausgehalten hatte. Er hatte etwa eine Woche nicht gebadet oder geduscht. Das war Jack nun ziemlich peinlich, vor allem, weil es keine Gelegenheit mehr gab, die Sache richtig zustellen. Jack, das verklemmmte Stinktier.
Nun ja, es gab schlimmeres. Zum Beispiel das, was er auf der Fähre erlebte.



On the road lll.
Mittwoch, 16. August 2017, 09:44 Uhr
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Es war dann doch nicht so schlimm.
Jack stiefelte durch die Markthalle, und es machte ihm nichts aus, dass er sich außer einer „flute“ und einem Brocken „Paté des Paysannes“ nichts leisten konnte. Er dachte an VanGogh und die anderen, und bei den Fischen dachte er an Rimbaud, und an die Nächte, die er damit zugebracht hatte, die Gedichte von Rimbaud zu verstehen, und daran, dass er es nie geschafft hatte, dass ihm die“ Illuminations” nichts sagten, aber dass er Rimbaud trotzdem cool fand; cool und auch ein bisschen schwul, was Jack nicht so gut fand, weil das etwas war, was Rimbaud noch weiter von ihm wegrückte, und weil er fremden Schwulen gegenüber - aus Erfahrung - mit MIsstrauen begegnete. Jack stellte sich vor, dass Frauen sich so fühlten, weil sie wussten, dass die Typen nur hinter ihrem Arsch her waren, so wie es ihm ergangen war, als er noch jünger gewesen war. Wenn man nichts hat, außer seiner Sexulität, dann muss man schlau sein und jede Chance nützen, um an bisschen Macht zu kommen.
Aber das war heute nicht sein Problem. Er hatte heute kein Problem. Er setzte sich draußen vor der Markthalle auf eine Bank, zückte sein Messer, schlitzte die flute auf und verteilte die Paté auf dem weichen, duftenden Brotfleisch und ass alles schnell auf.. Es schmeckte gut wie immer, es war etwas, dass einem nie verleidete, wie die songs von Willi Nelson.
On the road again…



On the road ll.
Samstag, 12. August 2017, 09:41 Uhr
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Jack nahm den Bus, um in die Nähe einer großen Straße zu kommen. Er wollte nach Süden, was ihm ein wenig seltsam erschien, denn er war bereits im Süden. Aber es gab immer noch einen südlicheren Süden, bis hin zum südlichsten Punkt der Antarktis, wo dann jeder Schritt, gleich in welche Richtung, immer nach Norden führte. Da wollte er hin. Nicht in der nächsten Zeit, aber irgendwann einmal - wenn es sich ergab.
Jetzt wollte er nur ein paar hundert Kilometer weiter südlich, dorthin, wo seine Lieblingsmaler gelebt hatten: Cézanne, VanGogh, und der Bankier Gaugin. Jack wollte das Licht sehen, dass sie gesehen hatten, die dicken, großen Sterne, die Straßencafés, die süße Verzweiflung.
Jack war kein Maler, und er hatte auch nicht vor, einer zu werden, aber ihm gefiel an den Typen, dass sie kein Geld gehabt hatten, dass man sie zu Lebzeiten verkannt hatte. Das war irgendwie tröstlich, und machte Jack fast froh.
Der Bus war voller alter, schweigender Bauern, die grantig dreinblickten, weil sie nicht rauchen durften. Oder wegen was auch immer. Jack fühlte sich so mittel. Seine Stiefel machten ihm Sorgen. Wenn die futsch waren, wurde es schwierig. Sein Geld reichte gerade, um nicht Hungers zu sterben. Das war ein ziemlich VanGoghmäßiges Problem. Er blickte aus dem Fenster und war ein bisschen stolz auf sein verdammtes vangogh-Stiefelproblem. Dann erreichten sie die Stadt und er stieg bei der Markthalle aus, was er vielleicht nicht hätte tun sollen…



On the road l.
Freitag, 11. August 2017, 12:30 Uhr
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Jack hatte die abgelaufenen Absätze seiner Stiefel geflickt, hatte Agraffen ins Absatzleder genagelt und die Stellen, die auf den Straßen geblieben waren, mit Zweikomponentenkleber aufgefüllt. Es sah ganz ordentlich aus, man konnte die Agraffen im glasigen Kleber sehen, wie U-förmige bleiche Würmer in Aspik, und die Sache hielt bis zum Dorfausgang, ein Marsch von 12 Minuten, und dann wars vorbei, und wieder wie zuvor, nur mit Agraffen, die Jack jetzt irgendwie herausziehen musste.
Er tat es. Und da er keine Zange hatte, nahm er sein gutes, junges Gebiss zu Hilfe, seine gesunden Zähne, lachte dabei, weil er sich von außen sah, wie er da am Straßenrand stand, und mit den Zähnen Agraffen aus den niedergelaufenen Absätzen zog.

Aber es war niemand zu sehen, der Jack hätte sehen können. Das war auch okay so. Dann ging er, wegen der kaputten Absätze ein wenig schwankend, davon…



Hundert Prozent
Mittwoch, 9. August 2017, 10:46 Uhr
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Es begegnet einem ganz schön oft, es fällt auf, man kann es lesen oder auch hören, aber vor allem lesen. Auf Youtube, zum Beispiel, wenn man sich ein Musikfilmchen eines Popgrüppchens ansehen möchte, dessen Popularität auf das hintere Emmental beschränkt ist (oder auch auf das ganze): 100% Schweizer Musik!

100% Schweizer Musik? WTF, aber dann gleich ROFL.
100% Schweizer Musik. Bevor wir uns vorstellen, dass die Deutschen den debilen Einfall kopieren: 100% Deutsche Musik!!!, was sie aber nicht tun werden, denn es gibt ein Gefühl für Maß und Mäßigung, fragen wir uns doch mal, was denn so 100% Schweiz an dieser Musik sind?

Melodie und Rhythmus kommen ursprünglich aus dem Mississippi-Delta, wo sie, für alle Zeiten, erfunden wurden. Sind die Instrumente 100% Schweizerbauart? Oder nicht doch vielmehr japanisch, chinesisch, amerikanisch, deutsch? Was bleibt? Genau. Die MusikerInnen. Ja, Teufel eins. Rocker und Popper mit dem Gütesiegel der Armbrust versehen. Hat Rock und Pop das verdient?

Hat es.
Diese hundertprozentigen Interpreten, die sich alle anhören, als würde ein Kuno Lauener im Stimmbruch auf Stephan Eicher machen, der versucht Sina zu imitieren.
Recht so.
Armes, reiches Land. Hundertzwanzig Prozent!



Denunziation ll.
Sonntag, 6. August 2017, 19:44 Uhr
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Sollte man ein kleines Brevier herausgeben, mit all den Briefen die der Verleger eines Pimperl Verlags so erhält? Nun ja, vermutlich gibt es das schon. „Mein Leben als Arschloch und Verleger. Ein Bericht aus dem Inneren eines Saumagens.”

Manchmal ist der Verleger sogar geneigt zu glauben, dass Autoren halbwegs der Sprache mächtig sind, in der sie schreiben. Manchmal.

“An Frechheit und Ungezogenheit fählt Ihnen kaum was noch..wie ich sehe…!Und das ich Ihnen die Ehre überhaupt mache ,zu Antworten beweisst nur meine Gutte Manieren,und…”

lieber Herr,
Ich hatte gerade gesehen das sie so alt wie ich bin…DA  muss man doch anders sein und denken..!Besonders als LITERAT,musste man höfflich und guterzogen wircken..leider ist bei Ihnen trotz Ihres Alters….vieles noch nachzubessern….schade…!Man sagt.. so Allgemein…man lehrnt nie aus…..!Bei Ihnen ist der Zug schon längst abgefahren…lieber Basler..!Grüsse aus Ulm..mein Lieber..!


Das Sprüchemuseum (78)
Freitag, 4. August 2017, 16:57 Uhr
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“Seit mehr als sechs Monaten sitzt VW-Manager Oliver Schmidt in Miami in Haft. Jetzt hat er ein Schuldbekenntnis abgegeben. Trotzdem droht ihm eine Haftstrafe.”

SPON

Wir sagen: Das ist geradezu unerträglich. Da gibt ein Krimineller zu, ein Krimineller zu sein, und trotzdem wird er bestraft?! Fuck you, Miami-Justiz! Kriminelle, die zugeben kriminell zu sein, sind unverzüglich auf freien Fuß zu setzen!



Denunziationskatalog
Dienstag, 1. August 2017, 16:29 Uhr
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Die Binnen(I)-Partei, vulgo Grüne, hat sich offenbar die Böllstifttung gekrallt, und ein Online-Lexikon herausgebracht, in dem Eingang finden soll, wer alles ein Antifemininstisches Arschloch ist.

http://www.agentin.org/index.php/Kategorie:Person

Matthias Mattusek wird zum Beispiel u.a. als „bekennender Katholik“ geführt.

Ja, da geht’s zur Sache, in diesem feinen Denunziationslexikon. Und war die Denunziation nicht immer schon ein beliebter Sport der Deutschen? Und das Listenführen auch?

Ich finde, dass in dieser Liste der Buchstabe „N“, mit nur einer Nennung einfach untervertreten ist.
Hört mal her: Hab ich nicht mal irgendwo geschrieben, dass es auch dumme Frauen gibt?