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Büezer Herz
Dienstag, 26. Juli 2016, 18:26 Uhr
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Büez: berndeutsch für Arbeit

Wenn man allenthalben das Schweizer TV oder das Radio anmacht, so kommt es  vor, dass man auf den Autor Pedro Lenz stößt, man stößt so oft auf ihn, dass man sich zu fragen beginnt, was die Redakteure tun würden, gäbe es den Pedro nicht.
Aber es gibt ihn. Zum Glück. An der Küchentür meiner Verwandschaft hängt ein Poster von ihm. Er sieht gut aus. Man hängt sich gerne ein Poster von ihm in die Küche. Man kann Pedro Lenzens Gesicht auch auf enormen Plakaten sehen, und sein Buch „Dr Goalie bin i“ (Der Goalie bin ich), eroberte - gefühlt- so einige Kunstgattungen, schätze, die Oper ist in Arbeit, das Ballett ebenso, und auch die Kondome mit Kafimitschussgeschmack. Und das ist gut so. Die Schweiz braucht einen wie ihn. Einen Autor, der ein guter Kerl ist, aufrichtig und ehrlich (redundant, ich weiß), einer der ein soziales Gewissen pflegt, einer, dessen Herz  für die einfachen Leute schlägt, die Loser und die schrägen Outcasts, einer, der das Volk nicht der SVP überlässt. Ein Mann, dem man höchstens vorwerfen kann, dass man ihm nichts vorwerfen kann.

In einem Interview sprach er dann von seinem „Büezerherz“. Ich horchte auf. Das gefiel mir. Der berühmte Autor hat nämlich 7 Jahre als Maurer gearbeitet, eine absolute Rarität, sozusagen eine Preziose, in dem Schwall von Literatenbiografien. Ja, ein Büezerherz. Hab ich auch.  Zum Glück. Denn wenn die Jugend weg ist, ist meist auch der Rest weg, und es bleibt einem nur die Büez, die Arbeit.
Die Arbeit am Roman, und die Arbeit im steilen Schlund, wo zwei Dutzend gefällte Bäume liegen, die ich mit Winden und Seilen herausziehe, metrig säge und auf die altmodische Art (mit Keilen und Schlegel) spalte.

Leider bin ich kein so guter Kerl. Und mir liegen die Leute auch nicht am Herzen, ich finde die Leute immer dann am Besten, wenn sie ihr DIng machen - weit weg von meinem Ding. Aber ich kann nichts dafür, so wie Pedro nichts dafür kann, dass man ihn einfach mögen muss. Auch, sagte er, fahre er immer 2. Klasse. Ich fast nie. Ich weiß, das ist schockierend. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich eigentlich nie Geld habe.
Aber ein Büezerherz habe ich trotzdem. Und was für eins.



Mein Leben (zur Zeit)
Montag, 18. Juli 2016, 19:45 Uhr
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Vormittags bin ich eine 53-jährige Frau, die in der Glut der Großstadt um ihre Existenz kämpft, um ihren Sohn, ihre Liebe, ihr Überleben. Sich gegen die Zumutungen des Lebens stemmt und mit einem schmerzlichen Verlust klar zu kommen versucht.
Am Nachmittag bin ich ein Kerl der mit nacktem Oberkörper, eingeölt und mit Pferdeinsektenschutzmittel besprüht, technische Probleme löst. MIt Seilwinden, Seilen, Gurten, Beil und Axt, Sapie und Motorsäge, Spaltkeilen und Vorschlaghammer.
Mir scheint, es wäre das ideale Leben, jenes, das ich immer führen wollte, als ich es aufgeben hatte ein Rockstar zu werden. Und das ist wirklich schon mehr als zwei Wochen her.



Die Knallbar Diaries (25)
Sonntag, 17. Juli 2016, 22:35 Uhr
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„Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, kann ich mir ein leises Schmunzeln nicht verkneifen.”
Ich, ich könnte mir nicht einmal ein lautes Schmunzeln verkneifen. Jo mei, Kollegin, des host toll hingekriegt: Gleich im ersten Satz einen Volltreffer. Des megen die Leit. So aus dem Leben gequasselt, so voll die Tüte, waaast eh, und an Hamur hammer aa no.
Wo bitte, geht’s hier zum Pulsadern aufschneiden?

Scherz. Ich habe heute vom Balkon gepisst. Somit bin ich ein freier Mensch. Aber es reicht auch, wenn sie nur irgendwohin in die Landschaft schiffen, um ein freier Mensch zu sein. Aber da ich vom Balkon geschifft habe, bin ich einfach etwas freier als die piefigen „Nur in die Landschaft-Schiffer.”

Wie ich darauf komme? Ganz einfach: Kollege A. S. aus den Beskiden hat in einem Interview verlauten lassen, dass er frei sei, weil er einfach in die Gegend schiffen kann, ohne dass sich jemand beschwert. „Das ist Freiheit“, sacht er.

Mann, bin ich frei. Schmunzelfrei. Hätte ich was zu sagen in der Welt, würde ich jeden Text vernichten lassen, in dem das Wort „schmunzeln“ vorkommt. Und „leises Schmunzeln“ wäre die Exkommunikation aus der menschlichen Spezies.
Ich weiß, ich bin noch viel zu weich und nachsichtig. Ganz schmunzelfrei.



Harry Dean Stanton ist 90 Jahre alt
Samstag, 16. Juli 2016, 09:58 Uhr
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Harry Dean Stanton wurde am 14. Juli 90 Jahre alt.
Die versammelten, aufgebrezelten Redaktionsmitglieder sangen Happy Birthday für Harry Dean. CIen anos, HDS!!
HDS eint uns. Wir lieben ihn, und hörten den ganzen Tag „Partly fiction“.

Wir weisen zudem höchst erfreut auf die schöne und wahre Festschrift von Karl Fluch im „Standard“ hin:

http://derstandard.at/2000041074032/Harry-Dean-Stanton-Ein-Mann-wie-ein-Countrysong



Die Knallbar Diaries (24)
Freitag, 15. Juli 2016, 14:58 Uhr
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Neben den ganzen traurigen, deprimierenden und herzzerreißenden Verbrechen die menschlicher Müll uns antut, aus Gründen die wir nur erahnen können: Lüge, Größenwahn, Blutdurst und die ganz normale Verkommenheit, müssen wir doch weiterleben, und weiterleben heißt weitermachen und weitermachen für Lev-André Knallbar heißt… ja, woher ich soll ich denn wissen, was das heißt?

Ich tippe ein bisschen und mache mich selber fertig, indem ich lese. Wie jede/r andere auch, stehe ich auf Klatsch. Und das beste Klatschbuch ist immer noch „answerd prayers“ vom Streckfus Persons vulgo Truman Capote. Was für ein Autor!
Es ist meinem Masochismus geschuldet, dass ich dieses Buch lese. Bei jedem zweiten Satz hält man inne und fragt sich, wie der kleine Mann das nur gemacht hat. Es ist wie Jimi Hendrix beim Gitarrespiel zusehen: Man sieht es genau, und weiß doch nicht, wie ers macht.

Angesicht dieses ordentlich fiesen, piepsstimmigen Genies komt eine  Bestsellerautorenpfeife wie ich schnell runter vom hohen Ross (auf das ich nie geklettert bin. Das erleichtert das Absteigen ungemein.).
Aber Klatsch kommt gut. Und nun gibt es auch Klatsch in den unteren Ligen der österreichischen Bestsellerproduzenten. Da stehen zwei auf der Müllkippe der Souschelmidias und bewerfen einander mit dem Müll, den andere abgeladen haben. Man muss sie dazu beglückwünschen und ihnen dankbar sein. Beglückwünschen für ihre rohe Schmähkraft und dankbar, dass sie uns daran teilhaben lassen.

Das Ding schlägt Wellen bis ins Ausland. Auslöser war der Artikel eines pragmatisierten  Kulturchefs eines Wiener Blattes, der was sagte, was einigen Schreibenden nicht gepasst hat. Und dann gings los. Wurf und Gegenwurf. Ich schätze das. Es ist, wie wenn sich Schimpasen im Zoo mit Obst und Scheiße bewerfen. Aber viel besser, da ich mich nicht in den Zoo bemühen, und dort nicht nur der Fauna, sondern auch der Mitmenschheit ansichtig werden muss.

Weiter so. Kann ich da nur sagen. Kommt gut, Leute. Wir haben viel Spass. Schlammcatchen für renintente Sonntagsschüler. Das Interesse von uns allen, ist euch gewiss. Der Bücherabsatz wird steigen. Und jetzt sind wir wieder bei Lev-André Knallbar: Das ist schließlich das Wesentliche. Ihr habts gecheckt, Kollegen.
Die Kunst ist etwas für gemeine, kleine Homosexuelle und andere Versager, die ihrer Autorenpflicht, permanent in den Souschelmidias auf sich aufmerksam zu machen, nicht nachkommen.



Treue
Dienstag, 12. Juli 2016, 12:08 Uhr
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Die Abendsonne flickerte durch die raschelnden Blätter des Lindenbaums. Später kam der Nebel aus dem Tal zu mir herauf, wie freundlicher, verspielter, nach kühlem Fels schmeckender Rauch. Er verzog sich gen Nordwesten, hüllte das Nachbarshaus ein, zog weiter, und neue Schwaden kamen und führten das Angefangene fort. Ich saß auf dem Balkon, trank George Dickel, bewunderte die Arbeit des Nebels, des weißen Negers Wumbaba, und hörte etwas von Willi Nelson.

In der Nacht kam der Regen und mit ihm der Wind, und  sie bearbeiteten gemeinsam die Blätter der Linde, es prasselte, tropfte und raschelte die ganze Nacht.
Ist das spannend? Irgendwie schon.
Es ist kühl, und wenn es kühl ist, erlischt die Vorstellung von der Sommerglut, die nun anderswo die Städte einkerkert.
Sie wird abwarten, bis ich wieder da bin, wo sie auch ist. Die Hitze mag nicht ohne mich beginnen. Nichts ist treuer als der Schmerz. Merkt euch das.



Die Knallbar Diaries (23)
Mittwoch, 6. Juli 2016, 10:31 Uhr
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Jetzt hat Kollege M. W., diese Welt also auch verlassen. Man hört überall Gutes über ihn, und ich denke, dass es nur gerecht ist. Keinen überflüssigen Satz soll er geschrieben, kein unbedachtes, hülsiges Wort gesetzt haben, allet pico, und das, was ich vom ihm gelesen habe (wenig genug), bestätigt es. Der Größte und Beste seit Dürri und Max, sagen einige. Kann sein. Aber wem liegt was an einem Ranking? Sicher nicht M.W.

In einem seiner letzten Interviews sagte er über seinen Erfolg, sinngemäß, dass man gelassen bleiben muss. In Misserfolg und Erfolg. Interessant daran ist, dass man den Spruch immer wieder mal hört. Ausnahmslos von arrivierten Autoren. Okay, das liegt vielleicht daran, dass die Erfolglosen eher weniger zum Interview gebeten werden. Zum einen. Zum anderen: Ich glaubs nicht.
Als ich noch nicht Lev-André Knallbar das erfolreiche, reiche Arschloch war, da war ich bis oben hin angefüllt mit Neid, Bitterkeit und Bosheit (bin ich noch), die ich allerdings erfolgreich niederrang. Mit Boose, Verachtung und ein paar schnuckligen Attitüden. In guten Zeiten, mit meinem unbeugsamen Durchhaltewillen. Aber gelassen? Damals?
Aber nicht doch! Jetzt bin ich gelassen. Es ist um einiges leichter, erfolgreich gelassen zu sein, als erfolgslos.

Wie auch immer. M.W. ist nicht mehr. Und ich habe nie ein ganzes Buch von ihm gelesen. Das ist meinem MIsstrauen gegen bärtige, schlaksige Männer geschuldet, jenen mit den runden Brillen und dem Lehrerpatent. M.W. war Lehrer. Und wie man so hört, war das damals in der Schweiz, die Lizenz zum Schreiben.

Vorurteile? Aber sicher. Ich bin voll davon. Wie jeder einigermaßen vernünftige Zeitgenosse. Bring dein Vorurteil zu einem Urteil, war schon immer mein Motto. Und sonst gilt immer noch B.D’s. Songzeile: „There’s no success than failure, and failure there’s no  success at all.”

Machs gut, M.W.



Die Knallbar Diaries (22)
Montag, 4. Juli 2016, 10:55 Uhr
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Es soll ja Kollegende geben, die was gegen die Ochsenprämierung in Klagenfurt haben, gegen dieses Gelese und Gekrittel und gegen das Mauscheln und Kungeln und Feilschen in den Sitzungen, wer denn der schönste Ochse im literarischen Dingsbums sei. Ich mach mir ja immer einen Spass daraus, die schönsten Leseochsen zu erraten, und, ich sags ungern (weil mir das wieder als Angeberei ausgelegt wird), ich hab sie auch diesmal wieder getupft.

Die kleine, dicke Österreicherin, die gut socialmedia mobilisiert hat und so den Publikumspreis abbekommen hat, rief bei der Preisübergabe das Matriarchat aus. Mir kams a weng vor, als verlange jemand in der Sahara, nach einem Sandstrand. Aber sie erinnerte mich auch ein bisschen an mich selber, an meine Anfänge, und ich sag : weiter so, nur immer rein ins Brunzfleisch, aber wie mein leider viel zu früh verstorbener Freund C. oft sinnierte: „Eine Latte zu kriegen ist keine Kunst, aber sie zu halten, wenn schon alles ungeil ist, das ist schwer!”

Mein Sohn, 13 Jahre alt, sah eine Weile mit, und ich sagte dann mal: „Mein Gott, die sehen ja alle aus wie Autoren, sie benehmen sich wie solche, sprechen wie Autoren und vermutlich riechen sie auch so, jetzt sag mal, Junge, seh ich auch so aus?“
Nö, sagt er dann mit einem fiesen Grinsen, so schaust nicht aus.
Ich wagte nicht zu fragen, wie ich denn aussehe, aber er kannte keine Gnade, und schickte seinen Spruch gleich hinterher.
Du siehst aus wie so ein halb Sterne Koch, sagt er.
Er war dann bei drei auf den Bäumen, denn sonst hätt ich was getan, was mir vor dem Richter als elterlicher Gewaltsmissbrauch ausgelegt worden wäre. Na ja, der schiebt dauernd solche Meldungen. Darf er auch. Bleibt ja in der Familie. Ich revanchier mich dann in den Sommerferien, wenn wir kleine Ringkämpfe veranstalten. Da tu ich ihm dann weh. So ein bisschen nur, und das hält dann für ein ganzes Jahr freche Schnauze.

Sonst? Ich versuche zu arbeiten, aber ich komm nicht voran. Es nervt. Warum will ich nur was Gutes machen und nicht einfach nur einen Bestseller?
Moss ruft an und sagt, dass er über die Filmrechte verhandelt. Daraufhin betrachte ich voll inniger Liebe meinen Kontostand und beschließe, heute mal frei zu nehmen und wieder bei der  Schwangerschaftsgymnastik vorbeizuschauen, die neuen schönen, runden, buttrigen Süssen gucken…



Die Knallbar Diaries (21)
Donnerstag, 30. Juni 2016, 11:09 Uhr
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D. aus Berlin hat angerufen. D., der bald eine der bedeutensten deutschen Bühnen leiten wird, und in der Branche der meistgehasste Buddy ist, eine Art Donald Trump für Künstler. D. will, dass ich ein Stück für sein Haus in spe verfasse. Klar, sagte ich, mach ich doch, und danke für die Einladung. Ah ja, und noch was: Wieviel?
Viel genug, sagte D., und das genügte mir, mehr brauchte ich nicht zu wissen. D. war ein Ehrenmann. Vielleicht hassen ihn die Kollegen auch deswegen.
Ich sags euch: Keine 10 MInuten später scheppert bei mir das iphone ohne Sinn und Pause. Ohne Sinn im Sinn von Unsinn, denn der ganze Kollegenverband, der irgendwie rausgekriegt hat, dass ich jetzt für D. arbeiten werde,  meldet sich bei mir, um Solidarität einzufordern, denn die Kollegen haben beschlossen, D. zu boykottieren, weil der „das Theater kaputte“.

T. ruft auch an.
Knallbar, sagt er, du wirst doch nicht…oder?
Wohl werde ich, sag ich.
Aber wir sollten solidarisch sein, in unserem Boykott.
Warst nicht auch du unter denen, die meine Stücke abgelehnt haben. Damals. Zugunsten all derer, die jetzt boykottieren.
Was hat denn das damit zu tun?
Einiges. Warst es oder warst es nicht?
Deine Stücke waren Mist.
Wohl wahr. Aber deine sind auch Mist und die der anderen auch.
Na ja, sagt T. Na ja.
Nix naja, immer nur diese linke Scheiße, diese Jammergebolze und dieses durchschaubare Absichtstheater, und wenns um Gefühle geht, dann muss gutdeutsch gebrüllt werden. Brüllen und scheißen ist das shoppen und Ficken der Deutschen. Also, fuck you, T. Fuck them all!

Häng also ein. Ich mein, man hängt ja nicht mehr ein, man drückt die Wichser einfach weg. Toll.

D. ruft noch mal an, und erkundigt sich freundlich, ob ich schon eine Idee hätte.
Klar, sag ich, ich bin voller Ideen.
Und?
Ein Stück nach einem Motto von meinem Lieblingsphilosophen Carlo Pedersoli.
Pedersoli?
Kennste nicht, sag ich. Ist aber ’n Klasse Mann.
Lass hören.
Hier mein Pitch: “Scheiß drauf! Wie immer es auch kommen mag: Scheiß drauf!”
Na dann, frohes Schreiben, sagt D.
Danke, sag ich. Meine Kontonummer haste ja, oder?



Die Knallbar Diaries (20)
Montag, 27. Juni 2016, 12:01 Uhr
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On the road. Nicht aus lebensanschaulichen Gründen, Romantik, Abenteuerlust oder weil ich der Arbeit entfliehen will, nichts von alledem, nein, es ist nur aus Gründen der Zahlenästethik - tja, so trivial ist das. Damals - ich erinnere mich dunkel – als ich noch arm war, dachte ich wie jeder andere Dummkopf auch, dass es einem Milliardär nicht auf eine oder zwei Millionen ankommen kann, aber das ist - werte Freunde, Feinde und Gleichgültige - einfach nur falsch. Es ist in unsere DNA geätzt: Zuviel ist nicht genug! That’s Rock’n Roll, amigos.

Habe also das Angebot von Moss angenommen und mir eine Lesetour zusammenstellen lassen. 5 Sterne Hotels, Limousine, Chauffeur in Anzug, Krawatte, und Dienstmütze, die er in meiner Gegenwart niemals ablegen darf. Soviel Respekt muss sein. Und, versteht sich von selbst: keine Vertraulichkeiten.

Ich habe Moss gegenüber darauf bestanden, dass der Chauffeur einen Universitätsabschluss haben muss. Warum, hat Moss gefragt. Darum, hab ich gesagt. Ne, im Ernst, Knallbar, sacht er dann, warum braucht ein Chauffeur einen Uni-Abschluss? Weil er, sach ich, leiden soll. Warum soll er leiden?, fragt Moss. Damit er lernt, dass seine ganze Bildung, seine Zeugnisse, seine Ansichten, sein ganzer Humanismus, dass das alles fürn Hugo ist, wenn es gilt, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Und dass er sich, während er darauf wartet mich ins Hotel zu fahren, darüber Gedanken macht. Was soll das denn bringen, sacht Moss. Hass, sach ich, Hass, Moss. Und was soll Hass bringen? Kohle, sach ich mit meinem gemeinsten Grinsen, nichts als Kohle. Hass ist gut fürs Geschäft. Hass ist der Grund, warum all die Weißbrote die Ali-Kämpfe sehen wollten; sie wollten sehen, wie dem Nigger die große Nigger-Fresse eingeschlagen wird. Zumindest zu Beginn.
Das ist doch nur deprimierend, sacht Moss und setzt sein traurig sanftes Lächeln auf. Find ich nicht, sach ich. Und überhaupt: Was bist denn du für ein Verleger? Du bist dafür verantwortlich, dass deine Autoren reich werden.
Überspann den Bogen nicht, Knallbar, überspann ihn nicht.
Ach, Moss, sach ich, ich mach doch nur Witze.
Nee, Lev, machst du nicht.
Nein, mach ich nicht.
Du bist ein richtiges Arschloch.
Ich korrigiere: Ich bin ein reiches Arschloch. Soviel Zeit muss sein, Moss, soviel Zeit muss sein.