Country

Da lag ich auf dem Rücken, in diesem kleinen, leeren Zimmer. Und draußen war die Stadt. Die Winterluft wuchtete sich durch das kaputte Fenster wie ein übergewichtiger Einbrecher. Züge rumpelten über die vereisten Weichen vor dem Bahnhof. Das Kreischen der Bremsen. Heiß und kalt zugleich, Eisen auf Eisen, nichts Menschliches, nichts Warmes, kein Fleisch und kein Blut, nicht mal die Lautsprecherstimme war menschlich, ein Zischen und dann für einen Moment Stille, nur einen Herzschlag lang, und dann ging es wieder weiter, mit den Zügen und der Stadt, und das alles brachte meine Gedanken auf Gott; ja, da lag ich, blutete und dachte an Gott. Na gut. Warum nicht Gott?

Gott war die Alternative zu den Göttern und dem Zufall. Seine Arbeit unterschied sich in nichts von der des - 35 -

Zufalls. Aber Gott bestand darauf, dass seine Attacken einen Sinn hatten. Während die Götter nur auf gute Unterhaltung aus waren, reinen Lustgewinn, behauptete Gott, dass alles nur zu meinem Besten geschah. Er sagte: „Du verstehst nicht, was geschieht, niemand versteht es, niemand, außer mir selber, aber es ist besser für dich, wenn du meinen Willen annimmst und akzeptierst, dass nur ich es verstehe. Also hör auf, an der Kiste rumzuhirnen, denn die stemmst du eh nicht.“

Das war dieses Gottding.

Damit wäre ich in meiner Lage am besten bedient.

Wenn man auf dem Boden eines kalten, leeren Zimmers liegt, mit nichts als steifen, dreckigen Arbeitskleidern am Leib, ein paar Münzen in der Tasche, die nicht mal für ein Glas reichten, dann war die Sache mit Gott bedenkenswert. Andererseits war es auch schon wieder egal. Götter, Zufall, Gott.

Es half nichts, das Denken. Es half nie etwas. Das Einzige, was hilft, ist Gehen. Gehen hilft. Man geht und denkt und sieht und hört. Was sollte man auch sonst tun? Man geht und sucht einen Ausweg. Es gibt immer einen, obschon es keinen gibt.

Ich erhob mich. Der gute Kerl stand auf.

Ich verließ mein kleines ausgeräumtes Zimmer.

Ich kam nie wieder zurück.

 

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