Von Viktor zu Hartmann

Sunday morning comin’ down

Ein knochiger 60-Plus-Knipper textet am Kniebeugenständer einen jungen bebrillten Schwarzen zu, und ich höre im Vorbeigehen naineleven, world trade center und gehe schnell weiter, denn hier ist Wien, wenn auch Geisteszentrum, und ich will mir nicht anhören, was alte Knipper zu naineleven zu vermelden haben, denn das kann ich mir denken oder noch besser: nicht denken, denn ich will es nicht wissen.

Im Park des Palais Schönburg sind die Äste der Bäume entblättert, und Familienverbände von illegal eingereisten russischen Saatkrähen haben darauf Platz genommen und krähen und krächzen was weiß ich was in den grauen aller grauesten Morgen. Bei den Krähen – im Gegensatz zu alten Knippern – möchte ich gerne wissen, was die zu vermelden haben, aber ich kann es mir denken …

Im Nadelöhr der Rainergasse ist ein Zeitungsdieb unterwegs, original mit Tschik in der Pappen, Trainingshose aus „Billig und Gut“, und sein Pinscher an der Leine wässert den Fassadenverputz des Gemeindebaus, während Herrchen sich „Österreich“, die „Kronenzeitung“ und noch ein weiteres Hetzblatt abgreift, sie alle zusammenrollt und damit in seiner subventionierten Gemeindebauwohnung verschwindet.

Er sieht aus wie 74, macht auf 30, ist aber 45 und seit 3 Jahren in Pension. Ich folge ihm in Gedanken in seine von halb verdautem Schweinebraten durchfurzte Wohnung, wo er zusammen mit Hundi lebt, den er als einzigen auf der Welt lieb hat, weil der ihn nie betrügt und immer so dankbar schaut, wenn er ihm eine neue Dose gegrillten Neger aufmacht.

Aber. Er hat keine Chance. Ich fühle mich trotzdem gut.

Ich kann mich kraftmäßig noch immer steigern und es geht auch sonst aufwärts. Denn als gelernter Kathole dürfte ich, falls ich die Absicht hätte ins Stricherfach zu wechseln, ein Kondom benutzen. Hat der Papst gesagt. Aber als Hilfszyniker lasse ich die Frage zu, ob diese neue Lockerung der Sitten nicht vornehmlich zum Schutz der Priester gedacht ist?

Heute Mittag gibt es Kartoffelsalat, der in dieser Stadt ausdrücklich “Erdäpfelsalat” heißt, mit Pangasiusschnitzel und Hühnerknuffties. Aber nicht für mich. Für mich gibt es Obstsalat und Nüsse.

Ich bin hier nur der Koch - auch am Sonntag …