Das Flackern der Flamme bei auffrischendem Westwind

Im Süden des Nordens des Westen

Selbst die Drau hält die Schnauze, fließt dahin, geht ins Knie, lautlos, schlüpft glatt zwischen den Kiesbänken hindurch. Die Sonne pumpt. Darrende Stille über den Maisfeldern. Kein Wind, nichts, niemand. Stummelschatten des Kirchturms auf dem Dorfplatz wie ein riesiges Kondom; das bunte Geflecht von Sesseln dörrt im leeren, schattenlosen Gastgarten. Daneben die Fleischerei. Schweigen. Man spürt die Angst, das Gehorchen und die lauernde Gewalt. Ein Grenzkaff. Am Fuß der blauen Berge. Wie im Western.

Das mexikanische Dorf jenseits der Grenze.

Oder anders. Kurze, schattige Waldstrecken, schmale Brückenüber nicht sichtbare, aber nach Kühle und feuchtem Waldboden duftenden Bächen. Ortsschilder mit Namen von umwerfender Eindringlichkeit: Gotschuchen, Maria Öd, Dullach, Dobrawa. Vor den Gasthäusern frisch gewaschene Autos. Verwunschen. Das Land.

Mitten am Nachmittag: Der Tod.

Auf der Straße, wo sonst. Die Jugend will schnell sterben. Abseits der Kurve, am Rande eines abgeernteten Feldes eine graue Plastikdecke die den entzweigerissenen Leib eines Motorradfahrers bedeckt. Der andere, der Unfallwagen, ist bereits abgeschleppt. Das Tausendkubikmotorrad liegt auf der Seite im Gras. Ein Bauer auf dem Feldweg, ein Zeuge, auf die Sense gestützt, nachdenklicher als der Tod, und seine Frau neben ihm murmelt einen Rosenkranz. Weiter hinten, die geduckten „Keischen“ und in der Ferne der Kirchturm von St. Jakob und nicht das Fitzelchen einer Wolke im weichen, himmeltraurigen Blau.

Dann, später, der Fürst. Alter Adel, groß, hager und in Begleitung zweier Vorstehhunde, die nervös an den Straßenrändern herumschnüffeln, während der „Fürst“ - geknechtet von der speziellen Neurose seines Standes - auf der Suche nach einer Erhöhung des Geländes ist. Das ist sein Tick: Höher stehen als die anderen. Es fällt einem bereits bei der ersten Begegnung auf. Er geht so weit, dass er sich, wegen der gerade nicht zur Verfügungen stehenden Erhebungen, wippend auf die Zehenspitzen stellt. Interessanter Tick, sagt jemand.

       Die Abenddämmerung bricht an mit dem Heulen der Motoren, geht über in die samtene Dunkelheit mit dem Gelächter und dem Schreien unter der Linde im Gastgarten. Motorräder wichsen dröhnend vorbei und die Augen der Jugend folgen ihnen bis an die Kante des Gasthauses, alle. Hier möchte man nicht schwul sein.

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